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KAYA - EINE WUNDERSAME REISE | 6

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...und wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt auch noch kein Licht daher.

(Wie alles begann: KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1)

Nachdem sich Frauli von ihrem Schrecken über den Einbruch in ihr Auto erholt hatte, fuhren wir zu unserer diesjährigen (und meiner ersten) Silvestereinladung zu einer Bekannten, die auf einer kleinen Ranch wohnte. Dieser Ort wurde wohl auch mir zuliebe ausgewählt, da auf eben diesem Hof auch zwei Hunde wohnten. Also ich kann ihm Nachhinein zu meiner ersten Silvestersause durchaus sagen, dass ich es sehr gemütlich und lustig mit meinen Artgenossen hatte. Ich denke allerdings, dass Frauli, nachdem ihr eröffnet wurde, dass man mit unserem Eintreffen nicht mehr gerechnet (schließlich war es ja „schon“ 19 Uhr) und aus diesem Grund die versprochenen Vorbereitungen, wie z.B ein Essen, nicht mehr getroffen hat, schon ein wenig enttäuscht war. Oder ein bisschen traurig, da sie sich in diesem Moment an die vielen schönen Abende mit ihren Freunden und Geschwistern auf der familieneigenen Almhütte erinnerte. „Andererseits - wie viele Menschen sind an solchen Feiertagen durch die verschiedensten Umstände alleine“, dachte Frauli bei sich, und durch diesen Dankbarkeit erweckenden Gedanken gestärkt und der Tatsache, dass ihre liebe Freundin samt Gefährten überraschenderweise auch zu Besuch kam, erleichtert, wurde dieser Abend dann doch noch ganz unterhaltsam. Ich denke, dass es von jeder Situation immer zwei Sichtweisen gibt und es lediglich darauf ankommt, für welche Wahrnehmung man bzw. Mensch sich entscheidet.

Um 23 Uhr wurde unser erstes gemeinsames Silvesterfest für beendet erklärt und die Gäste höflich, allerdings aufgrund einer plötzlich einsetzenden Müdigkeit der Gastgeberin auch sehr bestimmt dazu aufgefordert, doch bitte den Heimweg anzutreten. So wurde ich ins Auto geladen und die halbstündige Autofahrt in der freudvollen Erwartung auf die erste Nacht in unserer neuen Bleibe angetreten. Als Frauli dann unsere Wohnung aufsperrte und im neu erworbenen Vorraum den Lichtschalter suchte, fiel ihr das plötzlich wieder ein, was sie den ganzen Abend über - um der persönlichen Stimmung keinen Abbruch zu tun - verdrängt hatte: Es gibt zwar einige Lichtschalter hier - allerdings keinen Strom! Okay- einen Moment bitte: Für was braucht man noch gleich einmal Strom? Ach ja: Für das Licht, für den Warmwasser - Boiler, das Handyladegerät, das Backrohr, die Kaffeemaschine, den Fön. „Scheiße“ dachte Frauli, „jetzt kann ich ja gar niemanden anrufen oder Neujahrswünsche schreiben,“ da der Akku des Mobiltelefons zu diesem Zeitpunkt bereits seinen persönlichen Tiefstand erreicht hatte. „Ist halt so - andere Menschen haben nicht einmal eine Wohnung“, versuchte Frauli tapfer die neu gewonnenen Erkenntnisse der Dualität aller Dinge und Situationen in der Praxis anzuwenden. So wurden im Dunkeln Kerzen in den unzähligen Umzugskartons, die in der Wohnung kreuz und quer in der Gegend herumstanden und auf ein baldiges Auspacken warteten, gesucht, gefunden und in der Küche auf das breite Fenstersims gestellt, auf dem auch das ganze Frauli Platz fand, um von dort aus das ortseigene Feuerwerk zu genießen. Ja - so war es - unser erstes gemeinsames Silvester, das den Beginn des Jahres 2016 einleitete.

Bis zu dem Tag, als endlich jemand bei uns vorbeikam, um die ersehnte Elektrizität einzuschalten, lebten wir die halbe Zeit bei Fraulis Freundin am, bzw. neben dem Sofa - okay, ich gebe es zu: am Sofa - und genossen eine liebenswerte Gastfreundschaft samt Zutritt zur Warmwasserquelle dieses Hauses. Ja: Fast jede Situation hat auch ihre schönen Seiten, vorausgesetzt, man ist gewillt diese auch zu sehen.

Ich sagte „fast“. Denn in der nächsten Geschichte, die ich euch jetzt erzählen möchte, hatte Frauli wirklich sehr lange, fast ein Jahr, gebraucht, um den verborgenen Segen zu erkennen. Es ist dies jene unserer finanziellen Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten: Fraulis Erspartes, okay - das Ersparte ihres Papas, das er ihr gegeben hatte, um den dreiwöchigen Aufenthalt im langsam im Gedächtnis verblassenden Gesundheitsgut und die für die Bildungskarenz notwendigen Ausbildungen zu bezahlen, war aufgebraucht. Da Geldangelegenheiten nicht unbedingt zu ihren Qualitäten bzw. Vorlieben zählen, beschloss Frauli den Bankberater ihres Vertrauens zu konsultieren, um mit diesem einen Finanzplan zu erstellen. Das ernüchternde Ergebnis dieses offiziellen Gespräches war die Erkenntnis, dass uns allen 400 Euro im Monat zum Leben bleiben - sprich 100 Euro in der Woche. Doch damit nicht genug: Der eigentlich ganz freundlich wirkende Fachmann für Finanzierungspläne schnitt Fraulis Kreditkarte vor ihren entsetzten Augen mit einem zufriedenen Lächeln einfach in der Mitte durch. Das erschütterte sie dann doch ein wenig, hatte sie doch mit diesem Wunderding sämtliche Flüge, Urlaube - und zwar bevorzugt Wochenende mit ihrer Schwester in so einem 5-Sterne-Schuppen, Onlinefilme und diverse „Kleinigkeiten“ im Internet gebucht bzw. bestellt. So langsam dämmerte es ihr, dass all diese Annehmlichkeiten nun wohl nicht mehr möglich wären und sie fühlte sich als furchtbar armes Opfer dieser bösen Welt. Und natürlich waren wieder einmal alle anderen dafür verantwortlich. Wie schon einmal erwähnt, hielt Frauli damals noch nicht viel von alten Weisheiten wie Selbstverantwortung oder Reichtum im Inneren. Im Gegenteil: Sie gingen ihr sogar furchtbar auf die Nerven, da sie ja verhindern, die „Schuld“ für die jeweilige Lebenssituation im Außen zu suchen.

Nachdem er dann noch das Wochenlimit der Bankomatkarte auf 100 Euro beschränkt hatte, verabschiedete sich der in seinem Tun sehr unangenehm auf Frauli wirkende Bankmitarbeiter mit einem sowohl bemitleidenden, als auch aufbauenden: „Viel Glück!“

Sie tat mir zwar nicht Leid, allerdings hatte ich schon ein wenig Mitgefühl mit Fraulis damaliger finanzieller Lage, da ich gesehen habe, dass sie oft lieber für mich einen Knochen oder ein gutes Futter für die anderen Tiere gekauft hat, als sich selbst etwas zu leisten. Andererseits hat sie dadurch eine bis dahin noch unbekannte tiefe Dankbarkeit für so vieles, das für sie früher selbstverständlich war, entwickelt, die sie im Inneren tief verändert hat. Und sie hat eine ganz neue Hilfsbereitschaft von Menschen in ihrer Umgebung erfahren, die zuvor zum einen durch Fraulis Beamtengehalt nicht notwendig gewesen wäre, und die Frauli, welche Freunden gegenüber immer gerne in ihren Möglichkeiten großzügig war, zum anderen auch gar nicht angenommen hätte. Eine von vielen solchen Erlebnissen des vergangenen Jahres möchte ich euch an dieser Stelle erzählen: Zu Beginn kam Frauli mit dem aufoktroyierten Wochenlimit noch nicht so gut zurecht bzw. vergaß sie manchmal, dass die Karte eine neue persönliche Grenze, die zu überschreiten unmöglich war, hatte. Als sie an einem Sonntag 20 Euro in ihr Auto tanke, um auch in den nächsten Tagen zu ihren Pferden fahren zu können, welche noch immer im Gesundheitsgut residierten und deren weitere Geschichte ich euch ein anderes Mal erzählen werde, „ging“ die Karte nicht. „Scheiße“ - ein damals sehr oft benutztes Wort - dachte Frauli, „wie soll ich nun meinen Benzin bezahlen?“ Da ihr die neue finanzielle Lage damals noch sehr peinlich war, stammelte sie irgendetwas von „Karte kaputt - Kreditkarte nicht dabei“ und überlegte fieberhaft, was sie denn machen soll. Plötzlich erhob sich ein älterer Herr von seinem Hocker an der angrenzenden Tankstellenbar und erklärte sich bereit, Fraulis Rechnung zu übernehmen. Sie hasste es annehmen zu müssen, doch was sollte sie sonst tun? So lernte sie mit dieser Situation etwas, was ihr immer schwer gefallen ist: Das dankbare Annehmen. Einfach „Danke sagen“ - ohne das Gefühl zu haben, sofort etwas zurückgeben zu müssen, was sie zuvor immer gedacht hatte, dass es von ihr verlangt werde. Könnt ihr das - dieses einfache Annehmen? Dann seid ihr schon viel weiter als Frauli damals war. Denn bei ihr dauerte es sehr lange, bis sie etwas „einfach“ annehmen konnte - und ich denke, es ist auch jetzt noch eines ihrer Lernfelder.

Ein freundlicher, älterer Herr hatte also unsere Tankrechnung übernommen und Frauli auf einen Kaffee eingeladen - auch heute trinken die Beiden noch gelegentlich etwas gemeinsam und plaudern über das aufregende Spiel, das sich Leben nennt. Natürlich fuhr sie am nächsten Tag bei der Tankstelle vorbei und hinterlegte das Geld für ihren neuen Bekannten, auch wenn es bedeutete, dass unser Wochenbudget auf 80 Euro gesunken war und es viele Nudel und Erdäpfel mit Butter Tage für Frauli geben würde. Allerdings - was hatte Frauli gelernt? Genau: Wie viele Menschen gibt es, die weder Erdäpfel noch Butter zum Essen haben ;-)

 

KAYA - EINE WUNDERSAME REISE | 5

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Das Schicksal ist doch manchmal ein mieser Verräter

Kayas wundersame Reise - so fing alles an: TEIL 1 | TEIL 2 | TEIL 3 | TEIL 4

Wunderbar - wir hatten nun also drei Tage Zeit, um noch vor Silvester eine Wohnung für uns zu finden. Frauli hatte beschlossen, doch ein wenig näher Richtung Norden zu ziehen, um der gesegneten Autobahn, sprich der Zivilisation, ein Stückchen näher zu sein. Außerdem hat Frauli eine sehr liebe Freundin, die in eben besagter Richtung ihre Bleibe hat, und so wurde die Sache beschlossen: Wir ziehen in einen kleinen Ort mit netter Infrastruktur, einer schönen Gegend und bestimmt netten Menschen. Wie durch ein Wunder standen in diesem kleinen Städtchen gleich mehrere Mietwohnungen in einer alten Schule für einen raschen Umzug zur Verfügung (warum das so war, das wurde für uns erst nach und nach ersichtlich) und so wurde gleich für diesen Nachmittag ein Besichtigungstermin vereinbart. „Läuft ja alles wie geschmiert“, seufzte Frauli erleichtert, und beschloss sich erst einmal in Ruhe einen Kaffee in der Wintersonne zu gönnen. 
Als wir uns dann langsam auf den Weg zu eben erwähntem Termin machen wollten, bemerkte Frauli überrascht, dass sie ihren Autoschlüssel nirgendwo finden konnte. Alle Taschen wurden durchgesucht, das Zimmer mehrmals gründlich überprüft (was aufgrund seiner „Größe“ rasch erledigt war), der Weg zu den Pferden etliche Male abgeschritten - kein Schlüssel war zu finden. Zu dieser Zeit bewohnten das Gesundheitsgut keine Gäste mehr und auch das Personal befand sich bis auf den Stallburschen noch im wohlverdienten Weihnachtsurlaub. Dieser konnte zum Glück ausfindig gemacht werden, und Frauli fragte ihn sehr höflich, ob er zufälligerweise irgendwo einen Schlüssel aufgefunden hätte. „Haben gefunden - haben irgendwo hingelegt“ - war die mit zartem Ungarisch verfärbte, etwas ominöse Antwort. „Wie weggelegt?“, erwiderte ihm Frauli erstaunt, doch als Antwort bekam sie nur ein leicht süffisantes Lächeln und ein nicht näher definierbares, geheimnisvolles Kopfschütteln. „Arschloch“ darf man zwar nicht sagen, allerdings ist es durchaus manchmal gestattet, sich dieses Wort zu denken - und ruhig auch mehrmals hintereinander. Immer kann man halt nicht jedermann segnen. 

Entnervt rief Frauli ihre liebe Freundin an, um ihr die missliche Lage zu schildern, und diese bot an, den ganzen Weg nochmals zurück zu fahren, um uns beide zu holen. Ihr Verhalten lies Frauli das „Ars….“ rasch wieder vergessen, denn es war, wie gesagt, der 29.12.2015 und die Zeit drängte. Das weitere Suchen des Schlüssels wurde deshalb auf später verschoben, und wir machten uns auf den Weg, um unsere zukünftige Bleibe zu finden. Ich selbst war dabei sehr optimistisch, dass es bestimmt nichts Schlimmeres als unlängst besichtigte Bude mit durch die Wand wachsenden Bäumen auf dem menschlichen Immobilienmarkt geben konnte. Und ich sollte zum Glück Recht behalten. Wohnung Nummer 1 war Frauli zu alt und abgewohnt, wohingegen Wohnung Nummer 2 meiner Meinung nach keine gute Energie hatte, und so kackte ich, um mich Frauli mitzuteilen, das erste Mal in unserem gemeinsamen Leben mitten in ein Wohnzimmer - unter den Augen der fassungslos dreinblickenden Gemeindebediensteten. Das Malheur war rasch beseitigt, die Fenster zum Lüften geöffnet und wir machten uns daran, die dritte im Angebot stehende Wohnung zu besichtigen - und diese gefiel uns beiden sehr gut. Rasch, vielleicht auch um weitere absonderliche Darmaktivitäten meinerseits zu verhindern, wurde man sich einig und ein Termin für die Unterzeichnung des Mietvertrages am nächsten und somit vor Silvester letztmöglichen Tag vereinbart. „Das mit dem Strom wird sich allerdings nicht mehr vor Jahresende ausgehen“, entschuldigte sich die freundliche Dame, und so mussten wir uns gezwungenermaßen darauf einstellen, die ersten Abende bei gemütlichem Kerzenschein zu verbringen. Aber zumindest war unsere neue Behausung wohlig warm und barg nicht die Gefahr einer plötzlichen, unkontrollierbaren Rauchentwicklung. 

 

 

„Wie schön ist doch das Leben“ dachte Frauli gerade zufrieden bei sich, als die folgende Frage ihrer Freundin sie wieder auf den Boden der Realität zurückbrachte: „Sollten wir wegen deines Schlüssels nicht besser zur Polizei fahren?“ Wummms. Hallo Wirklichkeit. Frauli fand diesen Vorschlag auch ganz vernünftig, zumal besagter Stallbursche an diesem Tag gezwungenermaßen (ich denke ihr wisst, wie ich das meine) seinen letzten Arbeitstag am Gut hatte und wieder nach Ungarn zurückkehren musste. Versteht mich nicht falsch - wir beide gehören keinesfalls zu den Erdbewohnern, die Ungarn oder Menschen aus einem anderen Ausland in irgendwelche kriminelle Schubladen stecken - zumal ich ja selbst Rumänin bin - allerdings konnte Frauli am Morgen den Zorn dieses Mannes doch sehr deutlich spüren, und sie war sich nicht sicher, ob er nicht doch ihren Autoschlüssel geklaut hatte. 
Also wurde das Anstoßen auf die neue Wohnung auf einen anderen Tag verschoben und Frauli fuhr mit ihrer Freundin zur zuständigen Polizei. Zum Glück wurde ich zuvor auf mein Zimmer gebracht und gefüttert, denn die Bestandsaufnahme des Schlüsselverlustes dauerte ob des Mangels an Verbrechen in dieser Gegend geschlagene drei Stunden. Beendet wurde sie damit, dass zwei freundliche Polizisten mit den beiden Damen zum Gegenstand der nächtlichen Ermittlungen fuhren, um diesem eine gute, alte Wegfahrkralle anzulegen. Geschafft war dieser Tag, nachdem Frauli noch schnell ihren Papa gebeten hatte, ihr den Ersatzschlüssel, von dem keiner wusste, warum er sich dort befand, aus der Obersteiermark per Eilpost zu schicken. 
Der nächste Morgen kam und Frauli musste sich etwas einfallen lassen, um den Mietvertrag im etwa 20 km entfernten Städtchen unterschreiben zu können. Bis auf eine der Reinigungsdamen war nun wirklich niemand mehr am Gut, und Fraulis Freundinnen mussten zur vereinbarten Zeit alle arbeiten - wie vermutlich der Rest der Bevölkerung, der sich eben nicht gerade in Bildungskarenz befand. „Diese Frau ist meine einzige Hoffnung“, dachte sich Frauli, und so musste ordentlich verhandelt werden: Frauli versprach zum einen natürlich den Benzin zu bezahlen, und zum anderen zu helfen, die durch die Ausfahrt verlorene Arbeitszeit wieder einzuholen. Der Deal stand, und so wurde Frauli in einem etwas älteren Modell eines Opels von der hilfsbereiten Slowenin, die sich aufgrund eines hohen Sicherheitsbedürfnisses nicht schneller als 50 km/h zu fahren getraute, zur Unterzeichnung ihres ersten Mietvertrages chauffiert. Gerade rechtzeitig am 30. Jänner - denn am nächsten Tag mussten wir ausziehen. 
Um die Hilfsbereitschaft bzw. die Zeit der netten Dame nicht über die Maßen zu strapazieren, beschloss Frauli, sie nicht noch zusätzlich zu bitten, mit ihr zum Einkaufen zu fahren, sondern einfach das Essen ausfallen zu lassen. Ihr müsst wissen - zusätzlich zu unserem Zimmer hatten wir zwar Zutritt zu den anderen Räumen des Hauses, wie z.B der Küche, doch es befanden sich zu dieser Zeit keine Nahrungsmittel mehr am Gut, der Kaffee war auch ausgegangen und der Weinkeller in weiser Voraussicht verschlossen - sonst hätte Frauli diese Tage wohl in ihm verbracht. Einmal ein bisschen weniger zu essen schadet ja bekannterweise nicht, und so ließen wir diesen letzten Abend am Gut mit einem frühzeitigen Schlafengehen ausklingen  - wenn man schläft, spürt man auch den Hunger nicht so ;-)

 

 

Der 31. 12. war endlich gekommen - unsere Reise konnte beginnen: Und sie begann mit einem durch und durch schlecht gelaunten Frauli, da sie festgestellt hatte, dass ihr die Zigaretten ausgegangen waren. Ich verstehe ja sowieso nicht, warum sie sich den ekligen Rauch genüsslich in größeren Mengen jeden Tag in ihre Lungen ziehen muss, allerdings ist es sinnlos - und für mich auch unmöglich - mit ihr darüber zu diskutieren.  Also habe ich sie einfach dabei beobachtet, wie sie von Viertelstunde zu Viertelstunde immer unruhiger im Haus auf und ab lief - die Minuten zählend, bis ein lieber Freund kommen würde, um ihr beim Siedeln zu helfen, bis sie schließlich ein Taxi beauftragte, ihr im nächsten Ort eine Packung Zigaretten, und zwar eine sehr teure, zu holen. Was ist das nur für eine Sucht, dachte ich bei mir, die einen Menschen so fest im Griff hat, dass er dermaßen unentspannt und fahrig wird? Wie kann das Rauchen Genuss sein, wenn es zu solchem Unwohlsein führt? Lassen wir diese Fragen einfach einmal so im Raum stehen, ohne sie zu beantworten zu versuchen. 
Nach endlos langem, allerdings mit Zigaretten „versüßtem“ Warten, kamen am frühen Nachmittag zwei Freunde von Frauli, um ihr beim Siedeln in die neue Wohnung zu helfen und auch der aus der Obersteiermark geschickte Schlüssel sollte am Abend seine Besitzerin erreichen. So packten wir unsere Habseligkeiten in zwei Koffer und ebenso viele Schachteln, Frauli verstaute ihre alte Katze in der Transportbox und verschloss zum letzten Mal die Tür jenes Zimmers, das in den vergangenen zweieinhalb Monaten unser kleines Zuhause war. Mit großer Dankbarkeit in ihrem Herzen, für diese besondere Zeit in ihrem Leben. 

 

 

Falls sich jetzt vielleicht jemand die Frage stellt, wo denn die zweite Katze hingekommen ist, mit der wir ursprünglich eingezogen sind, so möchte ich das an dieser Stelle beantworten: Mimi - so hieß das Vieh - war durch und durch eine Freigängerin und nicht an das Leben in einer Wohnung oder gar in einem Zimmer gewohnt. Eines Tages konnte sie über das gekippte Fenster entkommen und sprang vom Dach in ihre so geliebte Freiheit hinab. Frauli wusste, dass sie ihre vierbeinige Freundin, die bereits in der Obersteiermark zur Tierfamilie gehört hatte, nicht mehr wiedersehen würde, allerdings hat sie zu diesem Zeitpunkt schon gelernt, dass zu einer Veränderung auch immer der eine oder andere Verlust gehören, aus dem dann auch wieder Neues entstehen kann. Ich persönlich war einfach nur froh, dass ich nun nur noch mit einer Katze mein Zuhause teilen musste. 

Am späten Nachmittag dieses Silvestertages kam Frauli auch endlich zu ihrem Ersatzschlüssel für das Auto, und so konnte die Polizei mit dem Entfernen der Wegfahrkralle beauftragt werden. Welch großer Segen dieses Ding für unser aller Zukunft war, erkannte Frauli, als sie das Auto aufsperren wollte: Es war nämlich bereits geöffnet, und als sie sich auf den Fahrersitz setzte, stellte sie erstaunt fest, dass dieser sehr weit nach hinten gefahren wurde. „Da saß wohl einer schon in meinem Auto“, witzelte Frauli, um dieses, in Erinnerung an diverse Horrorfilme, im nächsten Augenblick fluchtartig wieder zu verlassen, ungewiss, ob sie wirklich alleine da drinnen ist. Als sie mich jedoch entspannt hecheln sah, wurde die ursprüngliche Position wieder ein - und das Fahrzeug am nach vorne gestellten Sitz in Betrieb genommen. „Haben die Ungarn ein Auto weniger“, spottete Frauli, um sich dann in ihrem Denken sofort zu korrigieren und sich auch weiterhin in Toleranz und Respekt gegenüber fremden Kulturen zu üben :-) Der geklaute Schlüssel wurde etwa ein halbes Jahr später beim Mähen in einer angrenzenden Wiese gefunden.