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Kaya - eine wundersame Reise | 21

Blog 21

(Teil 1 von Kayas wundersamer Reise ist HIER zu finden)

Es gehört Mut dazu, sich so zeigen zu wollen, wie man in Wahrheit ist.
— Soren Kierkegaard

 

Vielleicht hast du dich, mein lieber Leser, als du dieses Büchlein in die Hand genommen hast, über dessen zweiten Titel gewundert: „Der Weg von der rumänischen Straßenhündin zur Therapiehündin.“ Okay - das mit der Straßenhündin lässt sich zweifelsohne nicht leugnen, obwohl ich meines Erachtens mit meinem Aussehen auch mit diversen Rassehunden mithalten kann. Da ich allerdings eine recht eigenwillige und meine Artgenossen gerne attackierende Hundedame bin, mit der durch unser kleines Städtchen zu spazieren für Frauli jedes Mal aufs Neue eine psychische und physische Herausforderung bedeutet, einige Hundetrainer zu Ratschlägen gebracht habe, die alle gemein hatten, dass sich meine Besitzerin doch lieber ihr Geld, was zu meiner Ausbildung dienen sollte, für sinnvollere Unternehmungen sparen oder mich gar wieder weggeben sollte, ist es mir an dieser Stelle unserer Geschichte ein besonderes Anliegen, dir meine eigentlichen therapeutischen Aufgaben zu offenbaren: Ich begleite mein Frauli als Gefährtin (Dies bedeutet übrigens auch die Übersetzung meines Namens, den diese mir unbewusst zu Beginn unseres neuen, gemeinsamen Lebens gegeben und mir dadurch dankenswerterweise erspart hat, auf den Ruf „Jessica“ meinen hübschen Kopf zu wenden - ein wahrer Segen….) auf ihrer Reise zu sich selbst und ihren Lebensaufgaben und fordere sie seit nunmehr fast zwei Jahren täglich mehr oder weniger liebevoll dazu auf, aufzustehen und weiter zu gehen. So sind die täglichen Spaziergänge durch die, euch menschlichen Individuen, wenn ihr dazu bereit seid, so viel Trost und Sicherheit schenkenden Wälder bei jedem Wetter zu einem fixen Bestandteil unseres Zusammenlebens geworden und sie schenkten Frauli jene erforderliche und heilsame Stille, die notwendig war, um Stück für Stück Antworten auf ihre Fragen zu erhalten und diese Zeilen schreiben zu können. (Manchmal vertrieb die frische Luft allerdings auch ihren Kater ;-))

 

Eine jener Erkenntnisse, zu der zu gelangen es Monate bedurfte, war jene, dass es für euch Menschen offensichtlich weder erforderlich, noch tatsächlich möglich ist, über euren Lebensweg selbst zu entscheiden, sondern dass dieser euch allen bereits sprichwörtlich in die Wiege gelegt wurde. Klar, ihr könnt wählen, ob ihr in der Früh lieber Tee oder Kaffee trinken wollt, ob es am Abend vor dem Fernseher lieber ein Krimi oder doch eine Liebesschnulze sein soll, vielleicht auch noch, wohin ihr in eurem nächsten Urlaub fliegen möchtet, aber alles andere ist euch bereits vorherbestimmt. Mögen diese, aus der Sicht eines Hundes formulierten Worte auch Kopfschütteln bei euch auslösen, so bitte ich euch an dieser Stelle höflich, euch einfach einmal hinzusetzen und rückblickend zu überlegen, welche Entscheidungen ihr tatsächlich im Augenblick derselben selbst bewusst getroffen habt. Um euch meine Gedanken ein wenig besser verständlich zu machen, möchte ich sie euch anhand von Fraulis Geschichte versuchen zu verdeutlichen: Als sie eines Morgens an einem regnerischen Sonntag in ihrer alten Heimat aus der Dusche gestiegen ist und vorhatte, die anstehenden Schularbeiten zu korrigieren, als eine Bekannte sie angerufen und eingeladen hatte, an einem Tontauben-Schießwettbewerb im Nachbarort teilzunehmen, damit mit ihr als dritter Teilnehmerin eine eigene Damenwertung zustande kommen könnte, als sie ihre Gummistiefel anzog, hinfuhr und dort bereits bekannten, ehemaligen Gefährten kennen lernte, mit dem sie zwei Jahre später an jenen neuen Ort übersiedelte, an dem sie sich weitere zwei Jahre später recht unmotiviert Muster in den Oberschenkel zu ritzen begann, eine Handlung, welche sie in jene Klinik für Menschen mit, nun sagen wir es so, psychischen Problemen und an den Beginn dieser Geschichte führte – hat sie sich da tatsächlich selbst dazu entschieden? Nun - für das Duschen an sich wohl schon, aber auch für alles andere? Man könnte noch weiter zurückgehen und sich fragen: Als sie sich für ihr Studium entschieden hatte, welches sie zum einen, um nach dessen Abschluss zu arbeiten, wieder zurück in ihre Heimat und in besagte Dusche geführt hatte, zum anderen jene anfangs doch eher unangenehmen Panikattacken auslöste, welche wiederum dazu führten, der Schule den Rücken zuzukehren und sich auf die Suche nach den eigentlichen Lebensaufgaben zu machen – hat sie sich tatsächlich selbst dazu entschieden? Um vielleicht noch besser zu erklären, was ich meine: Als sie in das Gymnasium ging, um die Voraussetzungen für jenes Studium zu bekommen, welches sie nach dessen Abschluss wieder in die Heimat und zu jenem regnerischen Tag unter der Dusche führte, an dem das Telefon plötzlich klingelte und sie an jenen Ort führte, an dem sie ihren ehemaligen Gefährten traf, mit dem sie zwei Jahre später zusammenzog und von dem sie sich weitere zwei Jahre später wieder verabschiedete, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen – hat sie sich tatsächlich selbst dafür entschieden? Wie wäre die Geschichte weitergegangen, wenn sie in eine Hauptschule gewechselt wäre und einen Lehrberuf begonnen hätte? - Glaube mir, mein lieber Leser, wenn Frauli damals gewusst hätte, wie sich ihr weiteres Leben entwickeln würde, sie hätte sich bestimmt in einer solchen Hauptschule angekettet. Sie wusste es natürlich nicht, also hat sie unbewusst all jene Entscheidungen getroffen, welche sie schließlich genau hierher und zu diesen Zeilen geführt haben.

 

Meine Worte mögen vielleicht ein wenig beängstigend für dich klingen, anderseits können sie dich auch dabei unterstützen zu erkennen, dass du dich jetzt, wo auch immer du gerade bist, genau da befindest, wo du auf deinem eigenen, ganz persönlichen Lebensweg sein möchtest, um jene Erfahrungen zu machen, welche dir helfen zu wachsen und dich weiter zu entwickeln.

 

Glaube mir, für Frauli war es ein langer und häufig von ihrem einstigen Lieblingswort „Scheiße“ in den unterschiedlichsten Variationen begleiteter Weg bis hin zu dieser Erkenntnis, bis hin zu jenem Vertrauen, dass es für sie gerade dort, wo sie ist, gut ist und dass sie all jene, oft auch merkwürdigen Erfahrungen – man denke an den Tanz an der Stange in jenem Nachtclub oder den kleinen Biss in den Finger des freundlichen Dorfwirtes - in diesem Leben genauso machen möchte, wie überhaupt unsere gemeinsame Reise, an deren Sinnhaftigkeit sie zwischenzeitlich des öfteren stark gezweifelt hatte.

 

Es dauerte Monate, bis sie von sich aus begonnen hatte, die unterschiedlichen Ereignisse und Situationen anzunehmen, damit sie wieder ein Stück weiter gehen konnte. Und da kommt mein erstes Zauberwort dieser Geschichte ins Spiel, mein lieber Leser: Das Annehmen. Ich glaube, dass ihr Menschen so oft gegen etwas ankämpft und dadurch eure wertvolle Energie für euer persönliches Wachstum vergeudet, anstatt dass ihr dieses, was auch immer es ist, das für euch in diesem Moment unangenehm ist, annehmt, euch mit ihm aussöhnt, um es schließlich liebevoll loslassen zu können, falls es euch in diesem Leben nicht mehr dienlich ist. Und da komme ich wieder ins Spiel, denn eines der ersten Tatsachen, die Frauli vor allem anderen anzunehmen lernte, ist das recht eigenwillige Wesen meiner Wenigkeit: Frauli wünschte sich früher oft einmal einen Hund, den sie, herrlich geschmückt mit einem jener heutzutage für uns modern gewordenen Halstücher, auf diverse Veranstaltungen mitnehmen könnte, für den sie ob seines Gehorsams auch hin und wieder anerkennende Worte hören würde, der, wie in jenen schnulzigen Tierfilmen immer wieder zu sehen ist, frei und ohne Leine harmonisch an ihrer Seite mit trottet, sie auf Ausritte durch die Wälder begleitet und mit ihr danach gemeinsam den Sonnenuntergang betrachtet. Nun: Eine sehr romantische Vorstellung, allerdings weit von der Realität entfernt: Mich kann sie nirgendwo hin mitnehmen, denn wenn ich einen meiner Artgenossen erblicke, entwickele ich erstaunliche Kräfte, um zu diesem zu gelangen und vorsichtshalber gleich einmal zu zwicken, damit ich ihm, geprägt von meinen Erfahrungen als Straßenhündin, diesbezüglich zuvorkomme. Mit Lob und Anerkennung aus unserem Umfeld bezüglich meines Gehorsams sieht es demzufolge auch eher mager aus (Fraulis Eltern haben sogar ein Betretungsverbot ausgesprochen ;-)), das Halstuch kann Frauli behalten, denn ich würde es eh zerbeißen, ohne Leine kann sie mich nirgendwo hin mitnehmen, da ich liebend gerne meinen eigenen Weg gehe und ihr dies durch mein beständiges Ziehen meiner Meinung nach auch mehr als deutlich vermittle, Ausritte verweigere ich, da ich mich vor dem großen Pferd fürchte und mich maximal auf einen Spaziergang mit dem Pony einlasse und nach Sonnenuntergang muss ich häufig bellen, da mir die Dunkelheit nicht besonders zusagt. So ist es, ohne etwas beschönigen zu wollen. Allerdings bin ich, zu meiner Verteidigung, absolut katzen,- hühner,- kinder- und allgemein sehr menschenfreundlich.

 

5 Hundetrainer und einer Tierarztrechnung ob eines kleinen Bisses meinerseits später hat Frauli eines Tages dann endlich beschlossen, mich genauso, wie ich bin, anzunehmen und einfach lieb zu haben. Das persönliche Ego, was euch Menschen ja oft für euer Glück im Wege steht, auszuschalten, mich nicht mit anderen Hunden zu vergleichen, die Meinung anderer bezüglich meines Wesens, ohne dadurch gekränkt oder verletzt zu sein, zu akzeptieren und ausschließlich solche Dinge mit mir zu unternehmen, welche uns beide Freude bereiten.

 

Durch diese Erfahrungen mit mir, ist es ihr auch nach und nach immer besser gelungen, all die Menschen in ihrem Umfeld, ob Familie, Freunde oder Bekannte, ohne diese allerdings mit einem Hund gleich zu setzen, genauso wie sie sind, anzunehmen, ihre ganz individuellen Sichtweisen zu akzeptieren und sie in keinster Weise zu bewerten oder gar zu verurteilen. Die Erkenntnis, dass jeder gerade genau dort ist, wo er in diesem Leben und auf der Stufe seiner persönlichen Entwicklung sein möchte und eben deshalb auch so wie er ist, gut ist, erleichterte Frauli, die sich früher tagelang über das Verhalten ihrer Mitmenschen echauffieren konnte und sich von diesen auch immer wieder persönlich zutiefst gekränkt fühlte, ungemein.

 

Ich weiß, mein lieber Leser, es fordert sowohl einiges an Selbstbeherrschung als auch Güte von euch, dass ihr, wann auch immer euch jemand mit Worten verletzt oder beleidigt hat, einmal tief durchatmet, vielleicht sogar ein kleines Lächeln zustande bringt und einfach weitergeht. Allerdings: Wenn Frauli, die früher oft zu tränenreichen Wutausbrüchen neigte, wenn etwas nicht nach Plan lief, was ehrlich unter uns gesagt, ob ihres ausgeprägten Egoismus des öfteren der Fall war, und die tagelang auf jemanden beleidigt sein konnte, was an Sinnlosigkeit für das persönliche Glück kaum zu übertreffen ist, das hinbekommen hat, dann dürfte es nicht allzu schwierig sein. Man kann sich zumindest immer wieder aufs Neue darin üben, und wenn es einmal nicht so nach Plan gelaufen ist, dann gibt es ja zum Glück noch viele weitere Gelegenheiten. Verurteilt euch nicht, wenn ihr einmal einen Fehler gemacht habt, seid genauso gütig zu euch selber wie zu den anderen und nehmt es einfach als eine weitere Erfahrung an, die ihr eben machen möchtet, um daraus zu lernen und euch weiter zu entwickeln. Aus unserer Sicht gibt es auch gar keine wirklichen Fehler, welche ihr machen könnt, sondern es sind eure ganz persönlichen Erfahrungen für euer persönliches Wachstum.

 

Für Frauli war das Annehmen der Individualität ihrer Mittiere und Mitmenschen um einiges leichter, als jene der eigenen: Ich denke, sie mochte sich früher nicht besonders gern. Eigentlich konnte sie sich überhaupt nicht leiden, war sozusagen der Feind im eigenen Haus, auch wenn man es ihr vermutlich nicht angesehen hat. Sie konnte bestimmt mehr persönliche Schwächen als Stärken von sich selbst aufzählen, hat sich fast immer und überall eine Maske in Form ihres täglichen Make-Ups aufgesetzt und jene bereits erwähnten und zum scheinbaren Lebensglück beitragenden Tabletten geschluckt, ohne deren „Hilfe“ sie den Alltag kaum meistern konnte. - Ein wahres Glückskind, mein Frauli ;-).

 

Ein erster Schritt, um sich selbst dann doch ein wenig lieber zu gewinnen, war die Umsetzung des Rates eines ihrer Lehrer, sich am Ende eines jeden Tages aufzuschreiben, wofür sie an diesem Stolz auf sich selbst wäre, um sich so mehr ihrer Stärken, als ihrer Schwächen zu besinnen. Erstaunt habe ich ihr anfangs dabei zugesehen, dass sie einen einzigen Satz, nämlich „Ich bin stolz darauf, meine Pferde gut versorgt zu haben“, in ein weiteres, speziell zu diesem Zwecke erworbenen Buches geschrieben hat. Nun, ich war nicht erstaunt, sondern fassungslos! Ich selbst könnte dir trotz meines,  nennen wir es einfach speziellen Wesens, auf der Stelle 10 oder mehr persönliche Stärken von mir aufzählen, und Frauli schaffte gerade einmal eine einzige, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, da sie sich ja schließlich gerade selbst lobte.

 

Was hemmt euch so oft daran, liebe Menschen, euch und eure Stärken wertzuschätzen, mit gutem Gewissen das Glück in eurem Leben willkommen zu heißen und euch jeden Tag an diesem zu erfreuen? Warum erlaubt ihr euch nicht, jeden Tag glücklich und zufrieden zu sein, habt sogar manchmal ein schlechtes Gewissen euren Mitmenschen gegenüber, wenn es euch richtig gut geht und steigt aus Solidarität mit diesen auf ihr negatives Denken mit ein? Warum gestattet ihr euch so häufig nicht, euch selbst zu lieben, sondern sucht die Anerkennung und Bestätigung eurer ganz persönlichen Liebenswürdigkeit so oft im Außen und habt das Gefühl nicht gut genug zu sein? - Nun, ich denke, weil viele von euch auf den göttlichen Funken in sich selbst vergessen und auch verlernt haben, auf die Stimme ihrer Seele, welche man auch Intuition oder innere Stimme nennen kann, zu hören, und diese im Gegenteil häufig sogar bekämpfen. So verlieren viele von euch das Vertrauen in sich selbst und suchen Antworten und Ratschläge hinsichtlich ihres Lebens oft im Außen, wobei diese in jedem bereits vorhanden sind.

 

Frauli hätte, wenn es einen Gürtel für das erfolgreiche Bekämpfen der inneren Stimme gäbe, bestimmt einen in der Farbe schwarz erhalten, da sie diese entweder mit reichlich Alkohol ertränkt oder mittels diverser Tabletten für eine bestimmte Zeitdauer unerbittlich zum Schweigen gebracht hatte. Sie ist in den 10 Jahren von ihrer ersten Panikattacke an bis zu hinlänglich erörtertem Einzug in besagte Privatklinik zu einer wahren Meisterin darin geworden, diese zu ignorieren, bis sie dieser, mit einem kleinen Messer in der Hand doch endlich einmal Gehör schenkte und sich aufmachte, ihr Leben von Grund auf zu verändern.

 

Nun, dass erste, was sie damals erstaunlich gelassen annehmen durfte, war die Tatsache, dass sie sich mit 35 Jahren an ihrem absoluten Tiefpunkt namens psychiatrische Klinik befand, unfähig war, als Lehrerin an ihrer Schule zu arbeiten und mit ihren 3 Pferden und 2 Katzen unweigerlich aus vermeintlichem Traumhaus ausziehen würde. So weit so gut. Eine weitere Tatsache, die es ebenso anzunehmen galt, war unwiderruflich jene, dass sie demzufolge weder einen Job, noch ein Zuhause haben würde. Auch das tat sie erstaunlich gelassen, da sie in diesen Tagen das erste Mal das zarte, da jahrelang ertränkte Flüstern ihrer inneren Stimme vernahm und gleichzeitig das mit dem Beten versuchte. Just an diesem Tag, an dem sie dem Gehörten vertraute – viele Möglichkeiten gab es ja ohnehin nicht- wurde ihr das Angebot gemacht, für drei weitere Monate an dem Ausgangspunkt unserer Geschichte als Gast zu verweilen. Meine Wenigkeit kam ebenfalls durch das Vertrauen in die eigene Intuition in Fraulis Leben (obwohl sie sich wie anfangs erwähnt lange Zeit sicher war, sich verhört haben zu müssen) und als sie sich mal wieder anschickte, stur und starrköpfig wie sie häufig war, eine für ihr weiteres Leben nicht wirklich dienliche Entscheidung zu treffen, da diese vermutlich eine chronische Lungenentzündung für uns alle bedeutet hätte, und bereits erwähntes, eher einem Schafstall entsprechende Haus samt Baum in der Küche zu mieten, da schickte ihr das Leben Hilfe in Form ihres fassungslosen Bruders und ihren nicht minder entsetzten Freunden. Die neue Wohnung in unserem Städtchen entpuppte sich im Nachhinein ebenso also Segen wie die Tatsache, dass sie jeden Tag an ihrem ehemaligen Haus vorbeifahren durfte, bis sie schließlich die Tatsache angenommen hatte, dass sich die Interessen ihres Gefährten auf blond verlagert und diese bereits in der alten Heimat Einzug gehalten haben.

 

Stück für Stück begann Frauli ihr neues Leben anzunehmen und erkannte, dass sich etwas nur dann, wenn sie es gerne und ehrlich aus tiefstem Herzen akzeptierte, verändern oder auch loslassen kann. Obwohl ihr damals wie heute die Verwendung des Wortes spirituell ein Grauen war bzw. ist, aber da es ihr damals ehrlich unter uns gesagt als die einzige Möglichkeit erschien, aus dieser Situation jemals wieder heil hinauszukommen (da war von Annehmen derselbigen noch lange nicht die Rede), vertraute Frauli immer öfters ihrer inneren Stimme. Anfangs waren es so kleine Aha-Erlebnisse, wie jenes, als ihre Intuition ihr plötzlich riet auszugehen, um in weiterer Folge an jenem Abend einen ganz besonderen Menschen in ihrem Leben zu treffen, nach und nach wuchs das Vertrauen in die selbige und führte zu Entscheidungen wie jene, ihre Lateinbücher zu schreiben, die Tierkräuterfirma zu gründen und sich ihrem Maturaprojekt zu widmen, welches ihr just in den Sinn gekommen ist, als sie sich das erste Mal (2016) entscheiden sollte, ob sie im kommenden Herbst wieder in die Schule gehen würde. Als sie damals ihr ehemaliger Direktor fragte, ob sie wieder als Lehrerin arbeiten möchte, kam ihr tatsächlich in diesem Augenblick die Idee, ein Buch samt Workshops für Maturanten zu verfassen bzw. zu planen. Im darauffolgenden Jahr, als ihr der werte Papa dringlichst ans Herzen legte, doch wieder einen sicheren Job samt fixem Einkommen anzunehmen, da sich im letzten Jahr an der finanziellen Lage der Tochter keine wirklich bahnbrechenden Veränderungen gezeigt hatten, da kämpfte Frauli zwei Tage lang mit sich selbst, an einem Tag hat sie sich ein wenig betrunken, am zweiten leerte sie eine Flasche pflanzlicher Notfalltropfen, bis sie einfach, allerdings teilweise immer noch an ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit zweifelnd, beschloss, ihrer Intuition zu vertrauen und sich für ihre Projekte zu entscheiden. Am dritten Tag meldeten sich 40 Trainer, die Interesse an diesem zeigten.

 

Diese Geschichte soll dir, mein lieber Leser, ein wenig Unterstützung dabei sein, deiner eigenen Intuition wieder mehr zu vertrauen und dich Stück für Stück behutsam zu einem Hineinhören in dich selbst ermutigen, um deine eigene Göttlichkeit zu erkennen und auch anzunehmen.

 

Da wären wir nun bei einem weiteren Thema angekommen, das anzunehmen Frauli vielleicht am schwersten von allen gefallen ist, da es mit dem menschlichen Verstand nicht zu begreifen ist: Und zwar ist es das mit der Göttlichkeit von euch allen. Viele dieser Worte, die ich hier für euch aufschreibe, hat Frauli bei unseren vielen Spaziergängen durch die Wälder vernommen, nicht wirklich wissend, ob diese all die Jahre in ihr selbst schlummerten, oder ob sie tatsächlich von einer anderen Ebene stammen. Viele Antworten auf ihre Fragen, die ehrlich unter uns gesagt auch immer wieder einmal einem verzweifelten Gebettel hinsichtlich ihres weiteren Tuns glichen, vernahm sie auf diese Weise und führten auch zum Schreiben dieses Büchleins. Anfangs fand sie es aufregend, dass sie vielleicht irgendeine besondere Gabe des Hinhörens bekommen hatte und zweifelte in keinster Weise an einem Vorhandensein einer solchen, da es im Umfeld ihrer Mama einige Menschen mit medialen Fähigkeiten gibt. Dann hielt sie sich, was wieder einmal eurem menschlichen Ego entspricht, sogar für etwas Besonderes, das hielt allerdings kaum eine Woche an. Dann ging ihr alles furchtbar auf die Nerven, sie zweifelte wieder an ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit und schließlich entschloss sie sich dazu, diese besonderen Momente in ihrem Leben einfach zu vergessen, „normal“ zu sein und diesbezüglich alles zu ignorieren. 3 Tage Panik waren der Lohn, Frauli trank in diesen wieder mehr, als für eine Frau schicklich war und wurde dadurch wieder zum Hinhören aufgefordert. Was sie vernahm, gefiel ihr anfangs keineswegs, denn die vermeintlich aufregende Gabe offenbarte sich ihr als eine zukünftige Lebensaufgabe, nämlich jener, Menschen durch diese zu unterstützen und ihnen zu helfen, wieder mehr zu sich selbst zu finden. -  Also nix Egotrip, sondern zum Wohle für die anderen. Frauli war „entzückt“. Das anzunehmen dauerte seine Zeit und dauert auch jetzt noch an, da Frauli ihrer Meinung nach noch nicht bereit für eine so große Verantwortung ist, allerdings half es ihr zu erkennen, dass sie in einem ersten Schritt nicht nur für sich selbst, sondern für viele anderen Menschen durch, um ihre Worte zu verwenden, Kacke wanderte, was ihr wiederum neue Kraft und neuen Mut zum Weitergehen schenkte. (`Du, lieber Leser, der du gerade diese Zeilen liest, schenkst mir in diesem Augenblick, in dem ich mit meinem Hund auf der Wiese sitze, die Kraft und die Freude auch morgen wieder gerne aufzustehen und weiterzugehen.`)

 

Und dann war da noch Frauli selbst, jenes starrköpfige Wesen, das gerade einmal eine Sache pro Tag finden konnte, auf die es stolz war, und die sich lieber auf ihre Schwächen, denn ihre Stärken besann, da sie lange Zeit glaubte, es wäre überheblich und würde das weitere Wachstum ihrer eigenen Persönlichkeit verhindern, wenn sie sich gerne haben würde - von lieben ganz zu schweigen. Dummerchen. Wie bitte sollt ihr euch hier in diesem Leben frei entfalten können, wenn ihr euch selbst nicht liebt? Und auf welche Weise können euch andere Menschen liebenswert finden, wenn ihr es selbst ja nicht einmal tut? Kann euch ein Partner oder eine Partnerin tatsächlich die Liebe und Wertschätzung entgegenbringen, die ihr alle verdient, wenn ihr euch selbst nicht liebt und wertschätzt? Wohl kaum. Sich dieser Tatsache mehr und mehr bewusst geworden und mit der täglichen Übung, in ihren Mitmenschen das Gute und Göttliche zu sehen, auch wenn manchmal eine Brille erforderlich war und zuweilen, was zwar eher selten der Fall war, lächelnd auf dem Absatz kehrt gemacht wurde, begann Frauli vorsichtig, wie ein junger Teenager, der zum ersten Mal  ein hübsches Mädchen erblickt, sich zu mögen. Sehr langsam und sehr vorsichtig, um diese neue junge Liebe nur ja nicht gleich aufs Spiel zu setzen. Klar hörte sie bereits früher in diversen Selbsthilfebüchern Affirmationen wie „Ich liebe mich und nehme mich an“ und klar, sie hat diese zwischenzeitlich halbherzig auch wie geraten brav vor dem Spiegel aufgesagt – allerdings geglaubt und gespürt hat sie es nie. Also suchte sie sich jeden Tag eine Kleinigkeit mehr aus, auf die sie stolz sein konnte und hielt sich diese anstelle ihrer Schwächen vor Augen. Dabei durfte sie feststellen, dass sie, je mehr sie Dinge tat, die sie ihrer inneren Stimme entnommen hatte, von Tag zu Tag,  - okay, sagen wir von Woche zu Woche – mehr Eigenschaften an sich entdeckte, die sie wertschätzen konnte und dass sie dadurch immer zufriedener mit sich bzw. friedlicher in sich wurde. Ihr wurde verständlich, dass es bei der Erfüllung des täglichen Lebens nicht darum geht, Dinge zu tun oder zu sagen, um andere damit zu beeindrucken, sondern ausschließlich darum, um am Abend friedlich mit sich selbst sein zu können.

 

Das geht natürlich nicht immer, manchmal macht ihr auch etwas, was ihr und auch wir als einen „Schaß“ bezeichnen würden, aber das ist egal, ihr habt ja immer wieder und jeden Tag aufs Neue die Gelegenheit so zu leben, dass ihr zufrieden mit euch seid und euch tatsächlich beginnt zu lieben. Und es darf die Zeit brauchen, die es braucht, ihr habt ein ganzes Leben lang Zeit zu wachsen und euch weiterzuentwickeln, nur ist es unserer Meinung nach erforderlich, dass ihr beginnt euch in euch selbst zu verlieben.

 

Wie es aktuell mit Fraulis Selbstliebe aussieht, fragst du? Nun - sagen wir es einmal so: Sie ist ja noch relativ jung;-) und darf sich noch weiter entwickeln, allerdings kann sie sich meistens morgens und abends herzlich in ihrem Spiegel anlächeln und zu sich sagen „He, ich bin stolz auf dich altes Haus“ und wenn nicht, dann nimmt sie es viel gelassener als früher an (damals hätte sie sich zuweilen oft gerne selbst gesteinigt oder so etwas in der Art), dass sie vermutlich einen „Schaß“ gemacht oder, was bei ihr ob ihres freizügigen Mundwerks eher der Fall ist, gesagt hat und beschließt, am nächsten Tag wieder besser auf ihre Worte zu achten. Weißt du, lieber Leser, all das darf und soll leicht gehen und sich von innen heraus in deinem persönlichen Tempo entwickeln und keine Challenge alla „Wie verliebe ich mich am schnellsten in mich selbst“ sein.

 

Der letzte große Brocken auf dieser unserer gemeinsamen Reise war für Frauli, die diesbezüglich ja sehr verwöhnt und wie bereits mehrmals erwähnt, in den Genuss einer wundervollen Kindheit gekommen war, welche allerdings bis zu ihrem 32. Lebensjahr andauerte, unsere neue Wohnsituation anzunehmen. Und zwar ehrlich und von Herzen gerne, da sich diese ja sonst nicht hätte verändern können. Und dies dauerte bis zum Schluss, bis zwei Wochen vor unserem Auszug: Als wir vor knapp zwei Jahren in unsere neue Wohnung gekommen sind, waren wir anfangs natürlich unendlich dankbar dafür, dass wir dem Schafstall entfliehen konnten und über eine ordentliche Heizung samt Warmwasser verfügten. Frauli sah es als eine Übergangssituation an, immer das Bild von unserer kleinen Ranch vor Augen. Den ersten Sommer verbrachten wir abwechselnd bei den Teichen in unserem neuen Wohnort und auf den Wiesen bei den Pferden, was wir auch ehrlicherweise sehr genossen haben, allerdings sah es Frauli ja lediglich als eine Übergangssituation an. Dann wurde diese insofern ein wenig anstrengender, da ich nach dem Sommer begonnen habe, mich wie eine Verrückte aufzuführen, wenn wir auf andere Hunde trafen, und Frauli konnte mich weder von jemand anderem zum Spazierengehen abholen lassen, noch konnten wir weiterhin entspannt im Ort selbst wandern, sondern mussten immer mit dem Auto in den Wald fahren. Frauli sah auch das als Übergangssituation an, begann allerdings zunehmend diese abzulehnen und sich noch mehr auf unser neues Zuhause zu fokussieren. Der Winter war dann insofern mühsam, da es viele Tage Minusgrade weit unter 10 hatte und wir weiterhin jeden Tag zweimal mit dem Auto zu den Pferden gefahren und mit vereisten Haaren bzw. Fell durch die Wälder spaziert sind. Allerdings - richtig: Für Frauli stellte auch diese Situation eine Übergangssituation dar. Zu Beginn des neuen Jahres (2017) fasste Frauli wieder neuen Mut und Energie, denn es sollte ihrer inneren Stimme zufolge das Jahr unseres Umzugs werden, doch als sich bis Sommer diesbezüglich noch nichts getan hatte, begann Frauli allmählich an der Nüchternheit ihrer Intuition zu zweifeln und selbst immer mehr ob unserer Wohnsituation zu verzweifeln. Es folgten viele wache Nächte im Sommer, da es in der Wohnung sehr heiß und ein erholsamer Schlaf kaum möglich war, aber als Frauli eines Tages im Juli in sich hineinhörte, da vernahm sie die Aufforderung, dass es nun an der Zeit wäre, diese Wohnung zu kündigen. Frauli war glückseelig, fast entzückt;-), würde diese ob der vielen Fahrerei oft doch sehr anstrengende Übergangssituation nun endlich bald vorüber sein und beschloss, sich in Vertrauen und Vorfreude zu üben und motiviert an ihren Projekten zu arbeiten. Es gab drei Monate Kündigungsfrist, d.h. bis Ende September mussten wir draußen sein, aber als sich bis Anfang September nichts, aber auch gar nichts hinsichtlich eines neuen Zuhauses auftat, war Frauli insofern verwirrt, da sie sich fast zwei Jahre im in sich Hineinhören und Vertrauen geübt hatte, vom Leben ihrer Meinung nach von Mal zu Mal diesbezüglich schwierigere Aufgaben gestellt bekommen hatte und nun sollte sie sich komplett verhört haben? Alle Geschichten dieses Buches zu einem ihrer Intuition entsprungenen Zeitpunkt geschrieben haben, um es dann aus dem Fenster zu werfen, da der Glaube an sich selbst zwar schön ist, allerdings nicht einmal einen kleinen Hügel versetzt hat?  Natürlich wurde auch das in Erwägung gezogen, erste Selbstzweifel machten sich bemerkbar und auch Ratlosigkeit, was sie denn nun wirklich tun sollte, was zusätzlich durch die absolut verständliche Tatsache erschwert wurde, dass ihr gesamtes Umfeld mittlerweile an der Sinnhaftigkeit ihrer Entscheidungen zweifelte – was sie fast täglich zu spüren bekam. Eines Morgens, sie war mit mir gerade im Wald im Regen spazieren gewesen und ihr neuer Gefährte, oder wie man ihn sonst auch nennen mag, vielleicht Wegbegleiter?, wartete in besagter Übergangssituation mit Kaffee und Frühstück auf sie, da saß sie in ihrer kleinen Küche und dachte bei sich, während die Katze friedlich am Sofa und ich neben ihr am Boden lag, dass sie es eigentlich doch total gemütlich in ihrer Wohnung hätte. Dass die Fahrerei zwar nicht immer lustig wäre, sie allerdings ja auch auf einem Hof gerne mit mir jeden Tag spazieren gehen und zweimal täglich die Pferde versorgen, sprich fast alles genauso machen würde, wie sie es jetzt tat, mit dem einzigen Unterschied, dass das Auto öfters in der Garage stehenbleiben könnte. So dachte sie und auf einmal konnte sie diese Übergangssituation als ihr Zuhause, als ihr momentanes Leben gerne und ehrlich von ganzem Herzen annehmen und schloss Frieden mit dieser. Und das, mein lieber Leser, habe ich dir am Anfang dieser Geschichte erzählt: Wenn du etwas an einer Situation verändern, einen Umstand für dich persönlich gerne heilen möchtest, dann ist es erforderlich, dass du diese bzw. diesen zuerst annimmst, bevor du sie bzw. ihn loslassen kannst.

 

Und da wären wir auch bereits bei meinem zweiten Zauberwort in dieser Geschichte: Das Loslassen ;-)

 

Nun, man kann wohl vieles in seinem Leben, dessen man nicht mehr bedarf, da es an Bedeutung verloren hat, liebevoll loslassen, allerdings ist das wichtigste, was es auf deiner Reise zu dir selbst und deinen wahren Lebensaufgaben loszulassen gilt, mein lieber Leser, die Furcht: Die Furcht davor, deiner Intuition zu vertrauen und tatsächlich auf deine innere Stimme zu hören. Vielleicht kann dir Fraulis persönliche Geschichte dabei helfen, dass auch du den Weg der Liebe gehen kannst und dich auf die Göttlichkeit deines Selbst besinnst:

 

Wie du weißt, war ihr Leben viele Jahre lang von Panikattacken in verschiedensten Ausführungen und von unterschiedlicher Dauer geprägt und wie wir dir auch schon in dieser Geschichte erzählt haben, ist es Frauli nach und nach gelungen, diese scheinbar bösen Angriffe auf ihr Wohlbefinden als Zeichen ihrer Seele zu erkennen, dass sie sich mal wieder verrannt hat - was sie ja immerhin 10 Jahre lang mit der Konsequenz jenes bereits hinlänglich bekannten Polarforschers getan hatte, der, das Ziel des Südpols immer vor Augen, beharrlich durch das ewige Eis stapft. Nachdem sie sich allerdings davon überzeugt hatte, dass diese kleinen Monster ihres Unterbewusstseins ihrer weiteren Entwicklung keinesfalls Schaden zufügen, sondern sie mehr oder weniger sanft zu einem Umdenken, dem Einschlagen eines anderen Weges ermutigen wollten, begann sie diesem inneren Leitsystem immer mehr zu vertrauen, das häufig just an solchen Tagen auf der Bildfläche ihres Lebens erschien, als es mal wieder etwas loszulassen galt: Neben bereits erwähnten und euer persönliches Glück in keinster Weise fördernden Verhaltensmustern wie Schuld oder schlechtem Gewissen, war es vor allem das Loslassen von der Furcht, vor allem von jener, WIE sich alles weiter entwickeln würde, die Frauli am schwierigsten gefallen ist. Nach und nach erkannte sie aber, dass ihr das Leben immer Stück für Stück weiter half und ihr immer das, was sie zu dessen Absolvierung benötigte, zur Verfügung stellte. Auch wenn sie manchmal in unserer kleinen Küche gesessen ist und keine Ahnung hatte, WIE sie die nächste Woche überleben sollte, so gab es immer einen Weg und eine, wenn manchmal auch völlig unerwartete Hilfe dafür.

 

Lediglich das Vertrauen von euch, dass wir immer für euch da sind und euch auf eurem Weg zu euch selbst liebevoll begleiten, ist von eurer Seite dazu erforderlich. Allerdings führen wir euch behutsam an dieses heran und lernen euch Stück für Stück, euch an euer wahres Selbst und eure eigene Göttlichkeit zu erinnern.

 

Frauli, zu deren Lebensaufgabe, wie wir weiter oben in dieser Geschichte festgestellt haben, es gehören wird, Menschen auf dieser Reise zu sich selbst zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, den Glauben an sich selbst wieder zu finden, hatte aus diesem Grund wohl einige schwierigere Prüfungen zu meistern, welche sie euch bestimmt gerne einmal persönlich erzählt, da sie allerdings zwei Jahre behutsam an diese herangeführt und zu ihrem zwischenzeitlichen Erstaunen in diesen weder verhungern, noch, wie vom besorgten Papa vermutet, unter eine Brücke ziehen musste, konnte dieses Vertrauen immer tiefer entwickeln. Irgendwann in dieser Zeit stellte sie erstaunt wie ein kleines Mädchen, welches mit glänzenden Augen vor einem Weihnachtsbaum steht, fest, dass sie jegliche Angst verloren hatte und auch die Panikattacken ausblieben.

 

Dieses Gefühl des Vertrauens in sich selbst und die eigene innere Stimme war es dann auch, dass sie zu der Entscheidung geführt hatte, im Juli dieses Jahres ihre Wohnung zu kündigen, ohne dass sie bereits eine Bleibe in Aussicht gehabt hätte. Oft ist sie in diesen Tagen alleine am See oder in den Wäldern gesessen, hat oft kopfschüttelnd mit sich selbst geschimpft und natürlich, da euer Verstand solche Unternehmungen in seiner in dieser Hinsicht doch ein wenig eingeschränkten Sichtweise keineswegs oder nur schwer nachvollziehen kann, immer wieder an ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt. Da sie allerdings gespürt hatte, dass es diese große Aufgabe nun auch im Vertrauen zu meistern galt, wollte sie dieses Buch jemals fertig schreiben und Menschen mit ihrer Geschichte ein Vorbild sein, an sich selbst zu glauben und mit diesem Glauben auch tatsächlich Berge und nicht nur Maulwurfshügel zu versetzen, nahm sie diese an und ging wieder einfach weiter. Im ersten Monat dieser doch zu einigem Erstaunen in ihrer Umgebung geführten Entscheidung war sie stets guter Dinge und blickte optimistisch in die Zukunft, da ihr das Leben schließlich in den letzten beiden Jahren auch stets liebevoll geholfen und oft völlig unerwartet Unterstützung geschickt hatte. Im August wurde die Situation dann doch wieder ein wenig unangenehm, da der Druck von Außen, sprich von Freunden, Nachbarn und Familie stetig zunahm und Frauli ihnen nicht erklären konnte oder wollte, dass es für sie absolut notwendig wäre, diese Aufgabe zu erfüllen. Viele erstaunten Blicken und auch einigen bemitleidenden, ja sogar ein wenig verachtenden war sie in diesen Tagen ebenso ausgesetzt wie den beständigen Fragen, wo sie denn nun tatsächlich vorhätte zu wohnen. Frauli wusste keine vernünftige Antwort darauf zu geben, denn wie sollte sie, als ein von ihrer Umgebung zumindest halbwegs intelligentes Wesen eingeschätzt, ihren Mitmenschen erklären, dass sie seit 4 Jahren das Bild ihrer kleinen Ranch vor Augen hatte und immer im Vertrauen geblieben ist, dass sie einst auf dieser wohnen würde. Natürlich konnte sie das WANN, das heißt den genauen Zeitpunkt in keinster Weise erahnen, doch als ihr das innere Stimmchen deutlich riet, ihre Wohnung in unserem Städtchen zu kündigen, da vertraute sie diesem und tat es. Anfang September war sie mit ihrem Glauben an sich selbst dann tatsächlich ganz alleine und sie bemerkte, dass sogar ihre liebsten Freunde, die ihr in den letzten beiden Jahren eng zur Seite standen, sich ein wenig von ihr und ihrer merkwürdigen Handlungsweise zurückzogen. Frauli hatte absolut Verständnis für deren Verhalten und war in keinster Weise gekränkt oder verletzt, andererseits konnte sie sich ihnen nicht erklären und war aus diesem Grund in diesen Tagen sehr oft alleine.

 

Aber das macht nichts, mein lieber Leser, wir haben ja im Laufe dieser Geschichte schon einmal festgestellt, dass du viele Etappen auf deiner Reise zu dir selber auch alleine zurücklegen wirst, was auch notwendig ist, damit du dich in Ruhe immer wieder auf dich und deinen Weg besinnen kannst, aber lasse auch bezüglich dieser scheinbaren Einsamkeit alle Ängste los und erinnere dich daran, dass du immer von uns beschützt wirst und wir dir auch durch diese schweren Phasen hindurch helfen.

 

Um dir nun wirklich zu zeigen, was das Vertrauen in dich selbst bewirken kann, mein lieber Leser, darf ich dir auch unsere Erlebnisse in den letzten Septembertagen schildern: Exakt eine Woche vor dem Datum, an dem wir aus unserer mittlerweile als Zuhause angenommenen Wohnung raus mussten, rief ein Mann von der zuständigen Hausverwaltung bei Frauli an und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. Nun, Frauli wusste sehr genau, dass es sich um eine weitere Prüfung in ihr Vertrauen handelte, andererseits hatte sie keine Ahnung, WIE sie denn innerhalb von einer Woche mit ca. 700 Euro am Konto und nichts, aber auch absolut nichts Passendem zum Mieten in Aussicht,  samt Hund und Katze ausziehen und die Wohnung besenrein übergeben sollte. Lediglich die Tatsache, dass ein Ausmalen von dieser laut neuem Mietgesetz nicht mehr erforderlich war, beruhigte sie ein wenig. Und hatte sie auch ihren Eltern und Freunden einige Tage zuvor erzählt, dass sie unsere Bleibe für ein weiteres Monat verlängern würde, um noch ein bisschen mehr Zeit für die Suche nach einer Neuen zur Verfügung zu haben, so konnte sie diese am Telefon nicht verlängern, sondern sagte einfach „Ja.“ „Ja, sehr gerne. 9 Uhr am Freitag ist optimal.“ Und ging wieder weiter, ohne Angst, ohne zu wissen WIE. Im Vertrauen in sich selbst.

 

Das „WIE“ und das „WANN“, mein lieber Leser, das kannst du getrost deinem Leben überlassen, das immer bereits den passenden Weg und auch den passenden Zeitpunkt für dich bereit hält. Das einzige, was du tatsächlich zu tun brauchst, ist einfach immer weiter zu gehen, dich deines Lebens zu erfreuen, manchmal zu weinen, viel zu lachen, groß- oder gar großartig zu lieben, gütig zu sein, verständnisvoll und dankbar, die Dinge manchmal mit Humor zu betrachten, manchmal ruhig ein bisschen fluchen, dann wieder deine Freude zu finden und zu vertrauen. Vertraue dir und deiner eigenen Göttlichkeit, die durch deine innere Stimme mit dir kommuniziert. Halte Ausschau und sei achtsam wenn du durch dein Leben gehst und nimm die Menschen in deiner Umgebung als Begleiter oder auch als Lehrer an. Sei verzeihend, wenn du aufgrund deines Tuns und Handelns auf Unverständnis seitens deiner Umgebung triffst, akzeptiere die Sichtweise der anderen Menschen, sei liebevoll zu dir und deinen Schwächen und ebenso jenen der anderen gegenüber. Besinne dich jeden Tag aufs Neue deiner besonderen Stärken, aber gehe bescheiden und demütig mit diesen um. Lache manchmal über dich von ganzem Herzen und habe auch das Mitgefühl mit dir selbst, das du den anderen gegenüber aufbringst. Und vertraue darauf, dass du immer gerade dort, wo du bist, auch sein willst und dass es gut so ist wie es ist. Manchmal, da setze dich in die Natur, genieße die Schönheit von dieser und spüre ich dich hinein, wenn du nach einer Antwort suchst. Höre in dich und erinnere dich wieder an deine eigene Göttlichkeit, daran, dass alles bereits in dir selbst vorhanden ist, was du zur Erfüllung deiner Lebensaufgaben und zur Erfüllung deines Lebens benötigst und vertraue darauf, dass du eine Antwort bekommst. Erinnere dich daran, dass wir alle eins sind, dass wir alle so wie wir sind gut und Gottes Kinder sind und erlaube dir auch, deine eigene Göttlichkeit zu leben.

 

Das folgende Wochenende verbrachte Frauli dann am Samstag mit dem Schreiben dieser Geschichte, und zwar mit dem ersten Teil davon: Du musst nämlich wissen, mein lieber Leser, dass Frauli einmal vernommen hatte, dass dieses Büchlein 22 Geschichten hat und den Zeitraum der letzten 22 Monate umfasst. 22.22. Zahlen, die sie schon seit ihrer Kindheit begleiten. Allerdings konnte sie nicht munter einfach alle 22 Geschichten in einem durchschreiben und „ewola“ - wir sind auf der Ranch, nein - Frauli hat es immer durch ihre Intuition mitbekommen, wann es wieder soweit war, über unsere Reise zu schreiben und so vergingen knapp 3 Monate zwischen der vorherigen und dieser Erzählung. Erzwingen lässt sich dann doch nichts vom Leben und so hat sie auch dieses WANN einfach losgelassen und darauf vertraut, dass sie es schon spüren werde. Als sie dann also an diesem Samstag den ersten Teil unserer Erzählung fertig hatte, ging sie motiviert davon aus, dass der zweite Teil am darauffolgenden Sonntag zu schreiben wäre. Falsch gedacht. Als sie den Computer einschaltete, war er ihr klar, dass dieses Unterfangen absolut sinnlos wäre und so beschloss sie, den Tag so anzunehmen, wie er kommen würde. Und verbrachte diesen mit ihrem Begleiter am Volksfest. 5 Tage vor dem Termin, die Wohnung zu übergeben. Auch mit dieser Geschichte, mein lieber Leser, möchte ich dir zeigen, dass du zum einen nichts erzwingen, und zum anderen das WANN einfach nicht bestimmen, sondern dass du gelassen im Vertrauen bleiben kannst. Auch brauchst du nicht beständig etwas für deine Ziele tun, sondern manchmal kannst du auch einfach loslassen und dich zurücklehnen.

 

Am Montag, zu Beginn der neuen Woche, hatte Frauli absolut keine Ahnung, WIE sich alles entwickeln würde, und so zog sie kurzerhand los, um mit mir einen Spaziergang zu machen. Dort in den Wäldern, im Schutz der Bäume, hatte sie wieder das Gefühl, dass alles so wie es ist, gut ist und sie weiterhin vertrauen darf……


KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1

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KAYA - EINE WUNDERSAME REISE | 8

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Wiedersehen macht Freude - geliebte Panikattacke…

(Wie alles begann: KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1)

Allmählich bekam Frauli ihren Würgereiz, wenn sie am verräterischen Liebesnest der auf scheinbar ständigen Körperkontakt Bedachten vorbeifuhr, ganz gut in den Griff und hatte auch nicht mehr das Bedürfnis nach unangemeldeten, von Eifersucht getriebenen und in peinlichster Verlegenheit mündeten Überraschungsbesuchen. Gewisse Situationen im Leben, mein lieber, die Worte eines Hundes beachtender Leser, sind wohl am besten einfach anzunehmen, und wenn man das, ohne im zerstörerischen Chaos von Selbstmitleid zu versinken, geschafft hat, lässt sich oft später ein verborgener Segen in ihnen entdecken. Frauli konnte damals, sosehr sie sich auch bemühte, den positiven Sinn ihrer - in ihren Augen völlig gescheiterten - Existenz zu entdecken, allerdings noch nicht einmal erahnen, dass all das, was sie in dieser Zeit erlebte, doch wirklich das größte Geschenk sein sollte, das ihr das Leben je gemacht hatte. 

Wie bereits erwähnt, bestand ein Hauptaugenmerk unseres damaligen gemeinsamen Seins so etwa Mitte Februar darin, dass wir an die 80 Minuten pro Tag im Auto verbrachten, um den Teil unserer Tierfamilie, der in jenem schicksalhaften Dorf wohnte, unsere Besuche abzustatten und nach deren Fütterung ihre Kacke wegzuräumen. Eine wirklich anspruchsvolle Betätigung.
Ich denke, dass auch für Frauli diese mühevolle und einen Großteil ihres Essensbudgets auffressende Situation immer anstrengender wurde, sie allerdings in ihrer Sturheit gepaart mit (übertriebenem?) Pflichtbewusstsein nicht auf das Angebot der Stallbesitzerin eingehen wollte, die Versorgung des persönlichen Streichelzoos doch einmal am Tag ihr zu überlassen. „Hab ich immer so gemacht - werde ich immer so machen“ - war einer von Fraulis damaligen, einem alteingesessenen Bergbauern würdigen, starren Glaubenssätzen, der jeglichen Veränderungen absolut keine Chance ließ. 

Also musste sich das Leben mal wieder etwas einfallen lassen, um diese kleine, festgefahrene Seele  aufzuwecken und zu etwas mehr Weitblick zu ermutigen. Und was macht man bzw. Leben mit jemanden, der sich absolut stur und beratungsresistent in ein weiteres Desaster manövriert? Genau - mit ein bisschen Aufrütteln ist es bei solch starrköpfigen Wesen wie Frauli nicht abgetan - da muss  schon zu  drastischeren Mitteln gegriffen werden, um sich Gehör zu verschaffen:
Als wir eines Tages nach dem Besuch am Ponyhof auf dem Nachhauseweg waren, wurde Frauli plötzlich ganz schlecht, die Arme und Beine wurden leicht taub und das Gehör hatte so seine Aussetzer. „Scheiße“ - noch immer ein sehr häufig gebrauchtes Wort zur damaligen Zeit, „das könnt ihr mir (wen auch immer sie mit „ihr“ meinte) nach der ganzen anderen Scheiße (entschuldige) echt nicht auch noch antun.“ Sprach’s und fuhr bereits leicht hyperventilierend auf den nächsten Parkplatz. „Atmen“, war einer jener Tipps, den ihr ein junger und keineswegs unattraktiver Rettungssanitäter, wie Frauli trotz persönlichen Notfalles feststellen konnte, vor 10 Jahren, als sie sich genau in derselben misslichen Lage befand, gegeben hatte. „Was soll ich denn sonst tun, du Klugscheißer“, hatte sie damals im Krankenwagen dem jungen Mann erwidert, der noch gemütlich seinen Burger fertig aß und offensichtlich nicht davon ausging, dass das in eine Plastiktüte atmende Frauli bald von dieser Welt schwinden würde.
Also wurde auch diesmal ordentlich geatmet - Bauchatmung versteht sich - und versucht Ruhe zu bewahren. Arme und Beine waren allerdings fast schon gänzlich taub und der Blick ihrer Augen wurde immer verschwommener - wirklich eine hervorragende Gelegenheit sich in innerer Ruhe und Gelassenheit zu üben. „In einer solchen Situation,“ erzählte sie mir später einmal, „denkst du wirklich, du wirst in jedem Augenblick umfallen.“ Ach ja - Falls du es noch nicht mitbekommen hast:  Frauli hatte eine gute, alte Panikattacke. 

 

 

Mit zitternden Händen wählte sie dann doch die Notrufnummer, um ihre miese Lage sowie den Standort ihres Autos zu schildern und bat, falls es noch schlimmer werden würde, später nochmals anrufen zu dürfen - bei der Höchststufe der Panikattacke sozusagen. „Worauf wollen sie denn warten?“ fragte die nette Dame in der Vermittlung verwirrt, um sogleich den nächsten freien Rettungswagen in unsere Richtung zu schicken. Da Frauli seit der Ausfahrt mit dem bereits erwähnten jungen Mann, der seinem Abendessen mehr Aufmerksamkeit schenkte als dem in eine Tüte atmenden Frauli (ein Verhalten, das sie auch an anderen Männern in ihrem Leben immer wieder beobachten, allerdings nicht wirklich deuten konnte) und sich obendrein nicht darauf einließ, vorzeitige Wiederbelebungsversuche an ihr probehalber durchzuführen, dieser Institution nicht mehr übermäßig großes Vertrauen entgegen brachte, wurde ihre Freundin und Notfallapothekerin, ja schon fast Fraulis Hausärztin, angerufen und um die Herbeischaffung eines Beruhigungsmittels gebeten. Da der arme Körper eines so verwirrten Geistes am höchsten Punkt einer solchen Panikattacke enormem Stress ausgesetzt ist, muss man ihm mit chemischen Mitteln behilflich sein, sich wieder zu beruhigen. Da nützen pflanzliche Kügelchen, Quigong - und Yogatechniken oder der einst gut gemeinte Rat der Wirtin aus Fraulis Heimatort, bei jedweden Beschwerden sei es das beste, möglichst viel kaltes Wasser zu trinken, einfach nicht mehr. Da kannst du einen ganzen Teich ausschlürfen - besser wird es allerdings nicht. 

Die Wartezeit im Auto verbrachte das schon fast vollkommen bewegungsunfähige Frauli damit, den 10 Jahre zurückliegenden Ratschlag zu atmen zu befolgen und die zu ihrer Rettung herbeigeeilten und diesmal nicht annähernd so attraktiven Sanitäter, soviel konnte sie gerade noch erkennen, wieder dankend in die Klinik zurück zu schicken. Sämtliche ihrer Versuche, Frauli, deren Gesichtsfarbe zu diesem Zeitpunkt bereits einem in der Sonne glänzenden Schnee glich, mit dem einzigen Unterschied, das bei ihr jeglicher Glanz fehlte, zum Mitfahren zu überreden, wurden mit bereits bekannter Sturheit entschieden zurückgewiesen. „Man kann einem Esel auch nicht beibringen, Gold zu scheißen,“ dürften sich die beiden Männer gedacht haben, als sie von einer im Auto Hyperventilierenden geschlagen ihren Rückzug antreten mussten. 
Endlich von ihrer Haus- und Hofapothekerin mit einem Beruhigungsmittel - welches freilich bloß die Symptome, keinesfalls allerdings die Ursachen eines solchen Gemütszustandes, behebt - versorgt, trat Frauli von ihr begleitet den Nachhauseweg an, um sich von diesem Erlebnis zu erholen und - man mag es kaum glauben - über Veränderungen nachzudenken. 

 

JA - PANIKATTACKE - DU GUTE, ALTE FREUNDIN, VIELLEICHT GELINGT ES MIR DICH ALS SEGEN ZU SEHEN UND NICHT ALS FLUCH.

 
KAYA - EINE WUNDERSAME REISE | 6

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...und wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt auch noch kein Licht daher.

(Wie alles begann: KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1)

Nachdem sich Frauli von ihrem Schrecken über den Einbruch in ihr Auto erholt hatte, fuhren wir zu unserer diesjährigen (und meiner ersten) Silvestereinladung zu einer Bekannten, die auf einer kleinen Ranch wohnte. Dieser Ort wurde wohl auch mir zuliebe ausgewählt, da auf eben diesem Hof auch zwei Hunde wohnten. Also ich kann ihm Nachhinein zu meiner ersten Silvestersause durchaus sagen, dass ich es sehr gemütlich und lustig mit meinen Artgenossen hatte. Ich denke allerdings, dass Frauli, nachdem ihr eröffnet wurde, dass man mit unserem Eintreffen nicht mehr gerechnet (schließlich war es ja „schon“ 19 Uhr) und aus diesem Grund die versprochenen Vorbereitungen, wie z.B ein Essen, nicht mehr getroffen hat, schon ein wenig enttäuscht war. Oder ein bisschen traurig, da sie sich in diesem Moment an die vielen schönen Abende mit ihren Freunden und Geschwistern auf der familieneigenen Almhütte erinnerte. „Andererseits - wie viele Menschen sind an solchen Feiertagen durch die verschiedensten Umstände alleine“, dachte Frauli bei sich, und durch diesen Dankbarkeit erweckenden Gedanken gestärkt und der Tatsache, dass ihre liebe Freundin samt Gefährten überraschenderweise auch zu Besuch kam, erleichtert, wurde dieser Abend dann doch noch ganz unterhaltsam. Ich denke, dass es von jeder Situation immer zwei Sichtweisen gibt und es lediglich darauf ankommt, für welche Wahrnehmung man bzw. Mensch sich entscheidet.

Um 23 Uhr wurde unser erstes gemeinsames Silvesterfest für beendet erklärt und die Gäste höflich, allerdings aufgrund einer plötzlich einsetzenden Müdigkeit der Gastgeberin auch sehr bestimmt dazu aufgefordert, doch bitte den Heimweg anzutreten. So wurde ich ins Auto geladen und die halbstündige Autofahrt in der freudvollen Erwartung auf die erste Nacht in unserer neuen Bleibe angetreten. Als Frauli dann unsere Wohnung aufsperrte und im neu erworbenen Vorraum den Lichtschalter suchte, fiel ihr das plötzlich wieder ein, was sie den ganzen Abend über - um der persönlichen Stimmung keinen Abbruch zu tun - verdrängt hatte: Es gibt zwar einige Lichtschalter hier - allerdings keinen Strom! Okay- einen Moment bitte: Für was braucht man noch gleich einmal Strom? Ach ja: Für das Licht, für den Warmwasser - Boiler, das Handyladegerät, das Backrohr, die Kaffeemaschine, den Fön. „Scheiße“ dachte Frauli, „jetzt kann ich ja gar niemanden anrufen oder Neujahrswünsche schreiben,“ da der Akku des Mobiltelefons zu diesem Zeitpunkt bereits seinen persönlichen Tiefstand erreicht hatte. „Ist halt so - andere Menschen haben nicht einmal eine Wohnung“, versuchte Frauli tapfer die neu gewonnenen Erkenntnisse der Dualität aller Dinge und Situationen in der Praxis anzuwenden. So wurden im Dunkeln Kerzen in den unzähligen Umzugskartons, die in der Wohnung kreuz und quer in der Gegend herumstanden und auf ein baldiges Auspacken warteten, gesucht, gefunden und in der Küche auf das breite Fenstersims gestellt, auf dem auch das ganze Frauli Platz fand, um von dort aus das ortseigene Feuerwerk zu genießen. Ja - so war es - unser erstes gemeinsames Silvester, das den Beginn des Jahres 2016 einleitete.

Bis zu dem Tag, als endlich jemand bei uns vorbeikam, um die ersehnte Elektrizität einzuschalten, lebten wir die halbe Zeit bei Fraulis Freundin am, bzw. neben dem Sofa - okay, ich gebe es zu: am Sofa - und genossen eine liebenswerte Gastfreundschaft samt Zutritt zur Warmwasserquelle dieses Hauses. Ja: Fast jede Situation hat auch ihre schönen Seiten, vorausgesetzt, man ist gewillt diese auch zu sehen.

Ich sagte „fast“. Denn in der nächsten Geschichte, die ich euch jetzt erzählen möchte, hatte Frauli wirklich sehr lange, fast ein Jahr, gebraucht, um den verborgenen Segen zu erkennen. Es ist dies jene unserer finanziellen Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten: Fraulis Erspartes, okay - das Ersparte ihres Papas, das er ihr gegeben hatte, um den dreiwöchigen Aufenthalt im langsam im Gedächtnis verblassenden Gesundheitsgut und die für die Bildungskarenz notwendigen Ausbildungen zu bezahlen, war aufgebraucht. Da Geldangelegenheiten nicht unbedingt zu ihren Qualitäten bzw. Vorlieben zählen, beschloss Frauli den Bankberater ihres Vertrauens zu konsultieren, um mit diesem einen Finanzplan zu erstellen. Das ernüchternde Ergebnis dieses offiziellen Gespräches war die Erkenntnis, dass uns allen 400 Euro im Monat zum Leben bleiben - sprich 100 Euro in der Woche. Doch damit nicht genug: Der eigentlich ganz freundlich wirkende Fachmann für Finanzierungspläne schnitt Fraulis Kreditkarte vor ihren entsetzten Augen mit einem zufriedenen Lächeln einfach in der Mitte durch. Das erschütterte sie dann doch ein wenig, hatte sie doch mit diesem Wunderding sämtliche Flüge, Urlaube - und zwar bevorzugt Wochenende mit ihrer Schwester in so einem 5-Sterne-Schuppen, Onlinefilme und diverse „Kleinigkeiten“ im Internet gebucht bzw. bestellt. So langsam dämmerte es ihr, dass all diese Annehmlichkeiten nun wohl nicht mehr möglich wären und sie fühlte sich als furchtbar armes Opfer dieser bösen Welt. Und natürlich waren wieder einmal alle anderen dafür verantwortlich. Wie schon einmal erwähnt, hielt Frauli damals noch nicht viel von alten Weisheiten wie Selbstverantwortung oder Reichtum im Inneren. Im Gegenteil: Sie gingen ihr sogar furchtbar auf die Nerven, da sie ja verhindern, die „Schuld“ für die jeweilige Lebenssituation im Außen zu suchen.

Nachdem er dann noch das Wochenlimit der Bankomatkarte auf 100 Euro beschränkt hatte, verabschiedete sich der in seinem Tun sehr unangenehm auf Frauli wirkende Bankmitarbeiter mit einem sowohl bemitleidenden, als auch aufbauenden: „Viel Glück!“

Sie tat mir zwar nicht Leid, allerdings hatte ich schon ein wenig Mitgefühl mit Fraulis damaliger finanzieller Lage, da ich gesehen habe, dass sie oft lieber für mich einen Knochen oder ein gutes Futter für die anderen Tiere gekauft hat, als sich selbst etwas zu leisten. Andererseits hat sie dadurch eine bis dahin noch unbekannte tiefe Dankbarkeit für so vieles, das für sie früher selbstverständlich war, entwickelt, die sie im Inneren tief verändert hat. Und sie hat eine ganz neue Hilfsbereitschaft von Menschen in ihrer Umgebung erfahren, die zuvor zum einen durch Fraulis Beamtengehalt nicht notwendig gewesen wäre, und die Frauli, welche Freunden gegenüber immer gerne in ihren Möglichkeiten großzügig war, zum anderen auch gar nicht angenommen hätte. Eine von vielen solchen Erlebnissen des vergangenen Jahres möchte ich euch an dieser Stelle erzählen: Zu Beginn kam Frauli mit dem aufoktroyierten Wochenlimit noch nicht so gut zurecht bzw. vergaß sie manchmal, dass die Karte eine neue persönliche Grenze, die zu überschreiten unmöglich war, hatte. Als sie an einem Sonntag 20 Euro in ihr Auto tanke, um auch in den nächsten Tagen zu ihren Pferden fahren zu können, welche noch immer im Gesundheitsgut residierten und deren weitere Geschichte ich euch ein anderes Mal erzählen werde, „ging“ die Karte nicht. „Scheiße“ - ein damals sehr oft benutztes Wort - dachte Frauli, „wie soll ich nun meinen Benzin bezahlen?“ Da ihr die neue finanzielle Lage damals noch sehr peinlich war, stammelte sie irgendetwas von „Karte kaputt - Kreditkarte nicht dabei“ und überlegte fieberhaft, was sie denn machen soll. Plötzlich erhob sich ein älterer Herr von seinem Hocker an der angrenzenden Tankstellenbar und erklärte sich bereit, Fraulis Rechnung zu übernehmen. Sie hasste es annehmen zu müssen, doch was sollte sie sonst tun? So lernte sie mit dieser Situation etwas, was ihr immer schwer gefallen ist: Das dankbare Annehmen. Einfach „Danke sagen“ - ohne das Gefühl zu haben, sofort etwas zurückgeben zu müssen, was sie zuvor immer gedacht hatte, dass es von ihr verlangt werde. Könnt ihr das - dieses einfache Annehmen? Dann seid ihr schon viel weiter als Frauli damals war. Denn bei ihr dauerte es sehr lange, bis sie etwas „einfach“ annehmen konnte - und ich denke, es ist auch jetzt noch eines ihrer Lernfelder.

Ein freundlicher, älterer Herr hatte also unsere Tankrechnung übernommen und Frauli auf einen Kaffee eingeladen - auch heute trinken die Beiden noch gelegentlich etwas gemeinsam und plaudern über das aufregende Spiel, das sich Leben nennt. Natürlich fuhr sie am nächsten Tag bei der Tankstelle vorbei und hinterlegte das Geld für ihren neuen Bekannten, auch wenn es bedeutete, dass unser Wochenbudget auf 80 Euro gesunken war und es viele Nudel und Erdäpfel mit Butter Tage für Frauli geben würde. Allerdings - was hatte Frauli gelernt? Genau: Wie viele Menschen gibt es, die weder Erdäpfel noch Butter zum Essen haben ;-)

 

KAYA - EINE WUNDERSAME REISE | 1

Der Weg von der rumänischen Strassenhündin zur Therapiehündin

ODER: WIE DER GLAUBE AN UNS SELBST BERGE VERSETZEN KANN.

 Blog 1

Gestattet mir, mich vorzustellen: Mein Name ist Kaya, ich bin ein undefinierbarer Mix von Rumäniens Straßen und über die Umwege eines Tierheimes bei meinem Frauli gelandet. Das Foto vorne am Buch ist das erste, das mein Frauli von mir gemacht hat - das mit dem „Armer-Dackel-Blick“ - so habe ich nur drein geschaut, damit sie mich mitnimmt ;-)! In Wahrheit bin ich mittlerweile eine recht große Hundedame, die sich nicht viel sagen lässt und trotz eifrigen Übens, Bestechens, Schimpfens und Verzweifelns (und das jede Woche immer wieder von vorne im gleichen Rhythmus) meiner durchaus netten, allerdings ein wenig inkonsequenten Besitzerin, noch immer nicht an der Leine gehen kann und fremde Hunde zum Anbeißen „gern“ hat. 

Sinniert mein Frauli auch mindestens einmal pro Woche darüber nach, warum sie sich mich in ihr Leben geholt hat, so sind wir in den letzten fast eineinhalb Jahren doch gute Gefährtinnen geworden und haben einige Abenteuer erlebt, welche ich euch gerne in dieser Geschichte mitteilen möchte: Es ist dies eine Erzählung unserer gemeinsamen Reise durch das Jahr 2016, mit vielen Freuden, einigen Tränen, neuen Freunden, aufregenden Veränderungen, zwischenzeitlichen Zweifeln und neuen Hoffnungen. Eine Geschichte, die - da sie mit dem Zeitpunkt beginnt, dass Frauli erstaunt feststellen musste, dass sie es mit 35 Jahren doch ernsthaft in eine psychiatrische Privatklinik geschafft hat - zum einen auf durchaus humorvolle Weise Menschen, die sich vielleicht auch gerade in einer schwierigen Situation befinden, neuen Mut schenken soll, und zum anderen zeigen darf, dass der Glaube an einen selbst wirklich Berge versetzen darf - oder zumindest Hügeln - bei uns sind es halt noch kleine Hügel ;-)

 

 

Also - dann lade ich euch ein, an unserer Reise teilzunehmen - die im November 2015 begonnen hat: Frauli hat sich damals gerade von ihrem menschlichen Gefährten getrennt und war als Gast in eben besagte Klinik für Menschen mit psychischen Problemen gezogen. Sie hatte nämlich erkennen müssen, dass ihr großer Traum mit dem Gefährten gemeinsam auf einem kleinen Hof samt Pferdestall in der Südoststeiermark doch nicht wirklich ihrer war - auch wenn sie es sich noch so einredete, sich bemühte, immer wieder hoffte. „Es muss doch funktionieren“- dachte sie sich oft bei sich - alle fanden es so schön bei ihnen und der herrliche Reitplatz war doch gerade auch erst fertig geworden. Und der neue Job an der neuen Schule - sie konnte jetzt doch nicht einfach wieder nach Hause gehen und sagen „Ausgeträumt - da bin ich wieder!“ Und überhaupt - ihre Familie und Freunde fanden den Gefährten doch alle so nett - was würden die sich denken, wenn sie all das Schöne, was er ihr zuliebe für sie und die Pferde gebaut hatte, einfach aufgeben würde? Was sollte sie also tun - wie kam sie aus dieser Situation wieder heraus, dass es für alle passte? (Damals erkannte mein Frauli noch nicht, dass das einzig wichtige Urteil, auf das man hören sollte, das eigene ist). Monatelang drehten sich ihre Gedanken im Kreis, die Situation zwischen ihr und ihrem Gefährten wurde immer unerträglicher für beide, der Alkohol ein immer wichtiger Tröster: Ja - sie hat viel getrunken damals - viel zu viel wohlgemerkt, allerdings schien ihr das die einzige Möglichkeit zu sein, ihre innerliche Verzweiflung zu ertragen. 

Eines Tages, wie so oft saß Frauli auf der Veranda und trank zügig ein Fläschchen Wein - versuchte sie ganz sachte mit einem Messer, das zur Öffnung eben besagter Flasche zugegen war - ein wenig auf ihrem Bein zu ritzen - ganz sachte, allerdings um zu spüren, ob sie denn noch etwas anderes als diese dunkle Hoffnungslosigkeit empfinden konnte. Und das tat sie: Nämlich die Erkenntnis, dass das so nicht weitergehen konnte und sie schleunigst etwas ändern müsste! Gesagt getan - ein wenig Intelligenz hat man ihr ja immer nachgesagt, und so beschloss sie gleich einmal einen Psychiater zu kontaktieren - ihrer Meinung musste da ein wirklicher Fachmann herangezogen werden und so wurden die Stufen Psychologe und Psychotherapeut gleich mal übersprungen. 

Zwei Tage später saß mein Frauli mit 35 Jahren nun das erste Mal einem richtigen Psychiater gegenüber - da kann man sich auch gratulieren ;-)! Nach einer Erstaufnahme wurde eine manische Depression vermutet - Stimmungsschwankungen zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt (Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte). Sie war überaus erfreut dem Problem nun endlich einen Namen geben zu können und überaus überzeugt davon, dass sich all ihre Probleme mit ihrem Gefährten nun auch lösen könnten (Ein weiterer Irrtum, wie sich später herausstehen sollte). Beschwingt durch eben jene Diagnose wurden erstmals sämtliche Informationen über diese Depression im Internet recherchiert und die wichtigsten Personen darüber in Kenntnis gesetzt - unter anderem auch der Schulleiter von Fraulis Schule - großartig!

Als ihr Gefährte dann am Abend nach Hause kam und Frauli ihm die freudige Botschaft verkündete, da war seine Reaktion dann doch nicht so, wie ursprünglich vermutet: Er sah sich in seiner Meinung zwar durchwegs bestärkt, doch mit ihr gemeinsam das Problem an den Hörnern zu packen und Frauli ein wenig zu helfen - dafür fehlte wie so oft leider wieder seine Zeit. 

 

 

„Na dann“ - dachte sich Frauli, „dann muss ich das wohl alleine schaffen“. Packte ihre Koffer und zog für drei Wochen in bereits bekannte Klinik - eine Woche war ihrer Meinung nach zu wenig, um solch massive Schäden zu reparieren. Als sie dort ankam, war sie so aus dem Gleichgewicht, dass sie nicht mal mehr auf einem Bein stehen konnte und Tabletten nehmen musste, um schlafen zu können. Erstaunt stellte sie allerdings fest, dass es auch den anderen Gästen dort ähnlich erging - und das unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Stand. „Was“ - begann Frauli zu überlegen - „passiert all den Menschen, damit sie sich in eine solche Situation manövrieren? Warum gibt es so viele Menschen, die Tabletten benötigen, um ihren Alltag zu meistern? War das früher auch so? Warum brauche ich mit 35 Jahren Psychopharmaka, um nicht das Gefühl zu haben, an mir selbst zu ersticken?“ Für einige dieser Fragen wurden mittlerweile Antworten gefunden - ob sie „richtig“ sind oder nicht, das kann ich euch nicht sagen - für Frauli waren sie zumindest hilfreich und heilsam.

Afoot and lighthearted, I take to the open road, healthy, free, the world before me.
— Walt Whitman

Wie dem auch sei - in den folgenden drei Wochen war Frauli erstmals wirklich dazu aufgefordert, über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken. Sie „musste“ Sport machen, reden, spazieren (unter Begleitung - humorvoll hat sie mir mal erzählt, dass sie nicht alleine spazierten) wieder reden, schreiben, noch viel mehr reden, malen (sie tat es, obwohl sie vorab verkündet hatte, sie würde sofort abreisen, wenn sie zum Malen aufgefordert werden würde - alles hat eine Grenze) noch mehr reden und durfte einfach sein - so wie sie ist - ohne für irgendetwas bewertet zu werden. Ich glaube, es waren eine der drei schönsten, wenn nicht überhaupt DIE schönsten drei Wochen in ihrem Leben, da sie langsam aus dieser Verzweiflung erwacht ist und wieder neuen Lebensmut gefasst hat. Sich selbst spüren - das war ein großes Geschenk nach der langen Zeit der Betäubung.