Kaya- eine wundersame Reise

KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1

....der Weg von der rumänischen Straßenhündin zur Therapiehündin. Oder: Wie der Glaube an sich selbst Berge versetzen kann.

Eine der vielleicht merkwürdigsten Bemühungen von Frauli in all diesen Monaten - zumindest für mich aus Hundesicht betrachtet - war jene, ein guter Mensch werden zu wollen. Merkwürdig deshalb, weil für uns Tiere jedes Individuum auf Erden mit all seinen Fähigkeiten, Eigenschaften und natürlich auch Schwächen und Fehlern etwas ganz Besonderes und genau so, wie es ist, einmalig und bereits gut ist. Es hat sich jedes Wesen, welches sich unter diesem, uns alle immer wieder liebevoll an das Gefühl der Unendlichkeit erinnernden Himmel, auf seiner persönlichen Reise befindet, in seinem Leben seine ganz besonderen Aufgaben ausgesucht, durch die es wachsen und sich weiterentwickeln kann. Und ist aus diesem Grund bereits gut genug.

Nun mag aber der eine oder andere von euch entrüstet erwidern, was denn dann mit all jenen, in eurer Gesellschaft als böse und kriminell bezeichneten Menschen wäre, von denen – und dies vermag ich auch nicht abzustreiten – dem Wandel dieser Zeiten entsprechend ebenfalls eine nicht geringe Anzahl anzutreffen ist. Nun - auch auf die Gefahr hin, für meine folgenden Worte nicht nur bloß Unverständnis, sondern sogar Empörung oder gar Ablehnung zu provozieren, sollen sie dennoch gesagt werden: Es bedingt das Leben in eurer dualen Wirklichkeit, dass nichts Gutes ohne Böses existieren kann und umgekehrt. Wie könntet ihr denn sonst erfahren, was für euch persönlich Glück bedeutet, wenn ihr denn das Unglück noch nicht erfahren habt? Was ist für euch tatsächlich Wohlbefinden, wenn ihr noch nie erlebt habt, wie es sich anfühlt, Unbehagen zu verspüren? Wie könnte es einen Mangel geben und wie eine Fülle, wenn sich die beiden in scheinbarem Widerspruch nicht voneinander abgrenzen würden? Auf welche Weise solltet ihr euch für die Liebe entscheiden können, wenn ihr zuvor nicht die Negativität des Hasses erfahren hättet? Und wie könntet ihr letztlich das Gute in eurem Leben wählen, wenn ihr nicht Kenntnis von dem bereits anfangs erwähnten, vermeintlichen Bösen hättet? Das eine kann ohne das andere nicht existieren, sie bedingen einander, sind abhängig voneinander und können deshalb weder als gut noch als schlecht bezeichnet werden. Sie sind einfach das, was sie sind – Teile eurer Dualität.

Frauli, der es in der damaligen Zeit noch immer ein Grauen war, sich mit solch ihrer Meinung nach viel zu spirituellen Dingen, die sie ja vielleicht doch auf hinterhältige Weise zu einer jener bereits mehrmals in meinen Geschichten erwähnten, meditierenden Yogi machen und ihr die Genüsse und Freuden des bodenständigen Lebens nehmen würden, auseinanderzusetzen, durfte es wieder einmal auf die harte Tour lernen, dass sie bereits so, wie sie ist, auch gut genug ist. Und alle anderen auch.

Damit meine ich allerdings nicht, dass ihr euch in diesem Leben nicht mehr weiterentwickeln und gleich einem jener, diesmal bei mir persönlich ob ihrer starren Blicke Unbehagen verursachenden Gartenzwerge bewegungs- und gedankenlos euer Leben an euch vorbeiziehen lassen solltet – im Gegenteil: Ihr kommt ja in diese Wirklichkeit, um an euch zu wachsen, euer innerstes Selbst zu erfahren und auf eurer Reise ein Stück weiter an jenen Ort zu gelangen, den zu erreichen all euer innerster, sehnlichster Wunsch ist. Das ist allerdings eine andere Geschichte ;-).

Auch das war für Frauli – die Tatsache völlig ignorierend, dass ja auch sie selbst eine Seele, also einen „spiritus“ aufzuweisen hat und sich zeitweise lieber auf jenen in flüssiger Form konzentrierte - natürlich wieder viel zu spirituell und so beschloss sie eben erst einmal in Erfahrung zu bringen, wie man denn ein guter Mensch werden würde. Dummerchen. Aber das Leben willigte in seiner liebevollen Bemühung, das Wachstum der einzelnen Seelchen stets behutsam zu begleiten, auf Fraulis Bestreben ein und schickte ihr in seiner oft doch sehr humorvollen Art die unterschiedlichsten Situationen, Lehrer und Wegbegleiter, welche Frauli in meiner Meinung nach ebenso humorvoller Weise teils behutsam, teil etwas deutlicher vermittelten, dass sie bereits so, wie sie ist, gut genug ist.

Es dauerte Monate…

Kopfschüttelnd bin ich an manchen Morgen mit ihr durch den Wald getrottet, als sie bei einem unserer zahlreichen, das intensive Auseinandersetzen – mag es manchmal auch noch so unangenehm sein - mit sich selbst fördernden Spaziergängen die Erlebnisse des vorigen Tages, bzw. handelte es sich meist um Abende, Revue passieren ließ und ob der einen oder anderen erlebten Situation mit ihrem schlechten Gewissen haderte, unter anderem davon überzeugt, dass jemand, der es tatsächlich fertig brachte, in einem Nachtclub kopfüber an einer Stange zu tanzen - sprich verkehrt ;-) - einfach kein guter Mensch sein könnte. Auch sollte man ihrer Meinung nach als guter Mensch niemanden, wirklich niemanden, auch wenn es nur in einer, im Nachhinein betrachtet an Situationskomik kaum zu übertreffenden Notsituation heraus geschehen MUSSTE - in den kleinen Finger beißen. Das geht einfach nicht. Oder vielleicht doch? Mussten all jene, am nächsten Morgen eine leichte und keineswegs aus einem Wohlbehagen heraus entstehende Gänsehaut auf die Haut zaubernden Ereignisse nicht gerade deshalb passieren, damit Frauli erkennen konnte, dass sie trotzdem ein guter Mensch ist? Dass es einfach nicht möglich ist, auch wenn man sich noch so sehr darum bemüht, fehlerfrei und ohne ab und an Mist zu bauen, durch dieses Leben zu wandeln und dass eben genau diese ganz individuellen scheinbaren Schwächen euch immer wieder dazu auffordern, euch auf das wahrhaft Gute in euch zu besinnen? Wie solltet ihr denn sonst wissen können, wie ihr denn tatsächlich sein und leben möchtet, wenn ihr nicht selbst das Gegenteil davon bereits erlebt hättet?

Und auch wenn ihr Menschen auf eurer Wanderung trefft, deren Energie und überhaupt deren gesamtes Gehabe ein leichtes und durchaus unfreundliches, abwehrendes Zucken in euren Füßen auslösen – ja, auch wenn man ein guter Mensch ist, wird man sich immer wieder in solchen, ein inneres Unbehagen auslösenden Situationen wiederfinden -, dann denkt euch doch ganz einfach, dass dieses Gegenüber euch just in diesem Augenblick dazu einladet, euch wieder einmal bewusst eurer Stärken und darauf, wie zu leben ihr gewählt habt, zu besinnen und dass auch er oder sie genau so, wie er oder sie eben ist, gut ist.

Solltet ihr einmal aus dem Zusammentreffen mit einem Menschen im Streit auseinander gegangen sein und wollt ihr euch am nächsten Tag ob eurer unglücklich gewählten und vielleicht auch verletzenden Worte am liebsten selbst steinigen, dann nehmt das Erlebte doch einfach einmal so war, dass es euch gezeigt hat, wie zu sein bzw. zu leben ihr für euch eben nicht wünscht und euch behutsam dazu auffordert, euch wieder auf das Gute in euch und euer wahres Sein zu besinnen.

Des weiteren war es für Frauli auch ganz lehrreich zu erkennen, dass Zeitgenossen, welche für sich persönlich einen jener vermeintlich spirituellen Wege eingeschlagen haben, welche in eurer Gesellschaft zur Zeit immer häufiger, versehen mit dem Duft des „In-Seins“, für Diskussionen und eine scheinbare Spaltung in „normal“ und „eben anders“ sorgen, wofür eben wieder dieses Gesetz der Dualität verantwortlich ist, durch welches das eine ohne das andere nicht existieren kann, sondern als Einheit eines großen Ganzen betrachtet werden muss, nicht zwingend auch gut für sie selbst sein müssen, zumal spirituell sein nicht gleichzeitig ein guter Mensch zu sein bedeutet. Jeder ist ganz einfach, so wie er ist, und ist deshalb gut. Auf der anderen Seite hat sie erfahren dürfen, dass Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit von Außen nicht eindeutig definierbaren Aktivitäten verdienen und sich keine Sekunde ihres Seins auch nur flüchtig mit dem Gedanken an die eigene Seele und deren Aufgaben auseinandersetzen und deswegen von dem scheinbar spirituellen Teil eurer Gesellschaft mit einem fast schon abwerteten Blick betrachtet werden, in gleicher Weise wie jene Vertreter der zu Beginn genannten Gruppe einmalig, einzigartig und eben gut sind, so wie sie sind.

Und wie ist das nun mit meinem Frauli? Gehört sie nun, da sie in manch ruhigen Stunden das Geschenk von Botschaften vernehmen darf, von denen sie tief in ihrem Inneren wohl weiß, dass sie nicht aus dieser Realität stammen und welche sie bzw. mich beim Schreiben dieses Buches leiten, zu den scheinbar spirituellen Wesen dieser Welt? Oder ist sie dann doch als eine, die es nach wie vor liebt beizeiten mehr als nur ein Bier zu trinken, beim Versuch das Rauchen sein zu lassen, nie weiter als über den Gedanken des Versuchens hinauskommt, erstaunt über die sich oft aus den merkwürdigsten Bekanntschaften entwickelnden neuen Erfahrungen, neugierig wie ein kleines Mädchen und offen für das wundervolle Abenteuer Leben, mit all ihren persönlichen Schwächen und das Wort „Scheiße“ noch immer in ihren Selbstgesprächen verwendend, doch eher der anderen Gruppe zuzuordnen?

Das Geheimnis, mein lieber Leser, welches ich dir an dieser Stelle verraten darf, ist dies: Es gibt in Wahrheit keine solchen Gruppen, genauso wenig wie es Gut oder Schlecht als solches gibt, oder ein Richtig bzw. Falsch. Ihr seid alle bereits „gut genug“ auf diese Welt gekommen, um alles zu erfahren, alles zu erleben, um alles zu sein. Denn das ihr Lieben, das seid ihr: Ihr seid alles, ihr seid Alle Eins.

An`Anasha