KAYA - EINE WUNDERSAME REISE

Du bist so wundervoll, genau so
wie du bist.
— Kaya

Durch die neuentdeckte Betätigung des Schreibens war Fraulis Geist trotz den immer wiederkehrenden Selbstzweifeln über die Sinnhaftigkeit derselben zumindest insofern ausreichend beschäftigt, dass diverse Lösungsversuche unserer hinlänglich bekannten Lebenssituation in den Hintergrund rückten und sich sein Fokus auf das Schaffen von etwas Neuem richtete. War auch, wie ich euch bereits erzählte, der Ausgang dieses Unterfangens zu diesem Zeitpunkt ebenso wenig absehbar wie eine eventuelle Besiedelung des Mars in naher Zukunft, so war es doch diese Vision, mit Hilfe von Büchern vielen jungen Menschen in unterschiedlichen Bereichen ihres Lernens Unterstützung schenken zu können, welche Frauli neue Energie und Lebensfreude schenkte und ihr Bedürfnis, doch wieder in eines ihrer alten Leben zurückzukehren, verringerte. Ich denke, dass Frauli tief in ihrem Inneren sehr wohl bereits wusste, dass ein solcher, ein wenig der italienischen Kampfmoral entsprechender Rückzug auch gar nicht das war, was das auf Fortschritt und Wachstum bedachte Leben von ihr forderte, und so viel ihr es auch von Tag zu leichter ihren Blick nach vorne zu richten und das Wühlen in der Vergangenheit sein zu lassen. Wobei – es zeichnet natürlich den menschlichen Geist in all seiner Liebenswürdigkeit auch aus, dass er in so manch schwachen Momenten, meistens ein wenig verklärt durch den Genuss vergorener Trauben, seine Standhaftigkeit und seine Prinzipien dann doch über den Haufen zu werfen und gleich einem unserer Spezies mit eingezogenem Schweif dem Altbekannten das Gesicht zu lecken wünscht. Auch Frauli schien mir, wenn auch an Peinlichkeit kaum zu übertreffende Verführungsversuche ihres ehemaligen Gefährten aufgrund jenes einmaligen, bereits bekannten nicht mehr unternommen wurden, an manchen Abenden zu einem kleinen, ängstlichen Pudel zu mutieren, der sich nichts mehr als sein altes Körbchen mit dem geliebten Spielzeug in der doch vertrauten Umgebung zurück ersehnte, allerdings half ihr dann doch ihre, einem Dackel entsprechende Sturheit diese unliebsamen Stunden zu übertauchen, um sich am nächsten Morgen mit neuem Mut den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Sind solche Prozesse auch schmerzhaft und oft von Einsamkeit geprägt, mein lieber Leser, so kann ich dir dennoch versichern, dass du mit der neuen Stärke eines Wolfes aus diesen hervorgehen wirst.

Nachdem Fraulis Mama ihr eines Tages empfohlen hatte, dem durch das viele Schreiben und Überlegen doch sehr beanspruchten Geist ein wenig Erholung mit etwas Bodenständigem zu gewähren, nahm diese das aufgrund des Unverständnisses der tatsächlichen Bedeutung sehr wörtlich und schenkte den Wiesen und Waldböden in ihrer Umgebung etwas mehr Aufmerksamkeit. Das erste, was Frauli auffiel, war die Tatsache, dass bei näherer Betrachtung nicht nur scheinbar langweiliges Gras gepaart mit dem unliebsamen und oft ungerechterweise als solches bezeichneten Unkraut auf diesen zu finden sind, sondern auch eine Vielzahl unbekannter, in herrlichen Farben schillernder Kräuter und Pflanzen. Sehr bedacht darauf, dem mütterlichen Rat zumindest diesmal Folge zu leisten, wurden einzelne Exemplare dankend der Natur entnommen und Bekannten, von denen Frauli die Vermutung hatte, dass sie sich damit bestimmt auskennen müssten, zur genaueren Bezeichnung vorgelegt, um den eigenen Geist durch das Studium eines jener Pflanzenbücher nicht wieder zu belasten. Ein wenig skeptisch wurde diese neue und besonders der Seele schmeichelnde Betätigung von unserer lieben Apothekerin-Freundin beobachtet und von dieser auch der dringliche Rat erteilt, Frauli möge doch bitte nichts von dem, was auf unseren zahlreichen Wanderungen gesammelt wurde, weder für sich selbst, noch für uns Tiere als Mahl vorbereiten, wenn sie sich nicht hundertprozentig über dessen wahre Identität sicher wäre. Wann gibt`s schon eine Hundertprozentgarantie im Leben? ;-) Wirklich ein wenig nervös wurde dann besagte Freundin allerding, als Frauli ihr eines Tages telefonisch mitteilte, dass ihr gesamter Körper so aussehen würde, als hätte sie die ganze Nacht mit einer Qualle geknutscht – sie konnte allerdings nur vermuten, dass man danach so aussah – und fragte, was der pharmazeutische Ratschlag in einem solchen Falle wäre. „Zum Arzt gehen“. Gut - Frauli, die sie sich zusätzlich noch so fühlte, als ob sie zu den Quallenküssen auch noch Ameisen angepinkelt hätten, hatte so etwas in der Art schon vermutet, und so wurde die nächstgelegene Arztpraxis in unserem Städtchen konsultiert, wo Frauli, zumindest was ihre liebgewonnene Tätigkeit der Bodenständigkeit betraf, eine doch etwas niederschmetternde Diagnose zu hören bekam: „Korbblütlerallergie – nicht mehr einfach alles anfassen!“ Wunderbar – und wie weiß man jetzt, was alles zu dieser Pflanzengruppe gehört, wenn man nicht in einem Buch darüber nachlesen kann? Also wurde dann doch eines jener unzähligen Pflanzenbücher gekauft, um zumindest diese ominöse und für Frauli doch sehr großes Unwohlsein verursachende Familie der Korbblüter zu entlarven. Erstaunt - und gerade dieses kindliche Staunen ist es ja oft, was für euch das Leben so schön und lebenswert macht – las sie als jemand, der bis jetzt seine kleineren und größeren Wehwehchen ausschließlich den Kräften der wissenschaftlich erprobten Chemie anvertraut hatte, darüber, welch wunderbare Heilwirkung den einzelnen Pflanzen und Kräuter zugesprochen wird. „Mach doch was für die Tiere“ - meldete sich da plötzlich jenes innere Stimmchen wieder zu Wort, dessen erste zaghaften Versuche mit Fraulis doch von größerer Rationalität als vielleicht angenommen geprägten Geist zu kommunizieren, ich euch in meiner letzten Geschichte erzählt habe. „Und was?“ fragte Frauli in bereits vertrauter herausfordernder Weise - „Das weißt du bereits selber“ - lies sich das, was ihr auch als eure eigene Intuition kennt, nicht auf den Stellenwert einer einfachen Bedienungsanleitung herab degradieren, und übertrug es Frauli, nachdem ein erster kleiner Samen gesät wurde, sich selbst auf die Suche nach dem „Was“ zu machen.

Wenn du einmal eine solche innere Eingebung hast, mein lieber Leser, dann bitte glaube nicht, dass du von diesem Zeitpunkt an gleich einem Goldgräber in Alaska ständig nach dem Weg der Umsetzung suchen musst – das wäre zum einen doch viel zu anstrengend und zum anderen würdest du diesen durch das viele Überlegen vermutlich nur sehr schwer, wenn überhaupt, finden. Es genügt, wenn du dir diese Idee einfach in deinem Kopf behältst, dich an dieser erfreust – sie sozusagen wach erhältst – alles andere wird dir dann Stück für Stück vom Leben bereitgestellt werden. Und habe Vertrauen in dich und deine wundervolle Intuition – auch wenn dies vermutlich das schwierigste für euch Menschen ist, da es etwas ist, das ihr mit eurem von Vernunft geprägten Geiste nicht lernen, sondern nur in seiner Ganzheit erfahren könnt.

Gerne werde ich dir, insofern es dir hilfreich sein könnte, zu einem etwas späteren Zeitpunkt meiner Geschichte erzählen, auf welche Weise Frauli dieses in ihrem Leben gerade sehr aktuelle Thema meistern konnte – falls sie es überhaupt kann und nicht doch, beunruhigt durch die Tatsache, dass sie seit Sommer vergangenen Jahres noch kaum einen Cent mit ihren persönlichen Herzensangelegenheiten verdient hat, zu jenem kleinen Pudel mutiert, der sich wieder in sein sicheres Körbchen zurückwünscht. Im aktuellen Fall nennt es sich dann halt Schule.

Um nun allerdings in unserer Erzählung fortzufahren, wollen wir an dieser Stelle wieder zurückkehren zu Fraulis neu entdeckter Begeisterung für die erstaunlichen Heilkräfte unserer Natur und der ihrer Intuition entsprungenen Idee, diese zumindest den eigenen Tieren zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund musste leider der mütterliche Ratschlag einer bodenständigen Beschäftigung in den Wind geworfen werden, wobei diesem natürlich großer Dank gebührt, da Frauli sonst wohl nie ihren Blick auf diese kostbaren Schätze unserer Natur gelenkt hätte, und Wissen über die Wirkungsweise der einzelnen Kräuter eingeholt werden, um uns Tiere bestmöglich mit den ersten Mischungen versorgen zu können. Fraulis großes Glück zur damaligen Zeit – ist es wirklich, wie auch Mamas Ratschlag, reiner Zufall gewesen, dass ihr unsere Freundin eine geringfügige Anstellung in ihrer Apotheke angeboten hatte? - war eben dieser Fachbetrieb für pharmazeutische Produkte, in dem sie neben umfangreichem Wissen auch all diese herrlichen Kräuter für unsere Mischungen vorfand, ohne sich über deren Echtheit sorgen zu müssen. Neben der Tatsache, dass ich durch meine von Frauli verordnete Pflanzenkur ruhiger schlafen konnte und nicht mehr so häufig gequält von Albträumen über mein Leben auf Rumäniens Straßen mitten in der Nacht aufschreckte, verbesserte sich auch das Gangbild unseres an chronischer Hufrehe leidenden Ponys ganz beträchtlich und unser altes Pferd konnte die Hitze des Sommers mithilfe seiner Herzkräuter bis zu seinem Tod viel besser ertragen. Dankbar für diese Erfahrungen machte sich alsbald der Wunsch in Fraulis Herzen breit, diese wundervollen Kräuter doch auch anderen Tieren bereit zu stellen, und just in diesem Augenblick eröffnete ihr unsere Freundin, dass sie sich immer eine Kräuterlinie für Tiere in ihrer Apotheke gewünscht hatte. Jaja, Zufall, ich weiß. ;-) Ohne darüber nachzudenken, ob sie das denn überhaupt können würde und sich wieder einmal nicht im Klaren darüber, wohin das Ganze denn führen werde, begann Frauli in den folgenden Wochen ihre dem Inneren entsprungene Idee Stück für Stück mit großer Freude umzusetzen.

 

Ich kann dir auch jetzt noch nicht erzählen, mein lieber Leser, wohin dieser Weg mein Frauli tatsächlich führen wird, allerdings darf ich dir an dieser Stelle doch ein wenig stolz verraten, dass sie heute mit ihrer Freundin gemeinsam dieses Projekt insoweit verwirklicht hat, dass die beiden ihre Firma für Tierkräutermischungen offiziell angemeldet haben und die bereits fertiggestellte Website für Bestellungen in den nächsten 2 Wochen online gestellt wird…..