KAYA - EINE WUNDERSAME REISE

...das Leben ist (k)ein Ponyhof

(Wie alles begann: KAYAS WUNDERSAME REISE - TEIL 1)

Ernüchtert (und nüchtern, da sie sich ja keinen Alkohol mehr leisten konnte;-)) stellte Frauli alsbald fest, dass sie zwar an die 30 Paar Schuhe, etliche Strassreithosen renommierter Hersteller, schicke Hemden und sonstigen Schnickschnack, der uns allerdings nicht als Nahrung dienen konnte, besaß, aber sonst auch wirklich gar nichts. Naja - uns Tiere darf man nicht vergessen, aber das Pony zu grillen wäre auch nicht die Lösung gewesen. Also versuchte sie jeden Tag einfach dafür dankbar zu sein, was sie so an „Nebensächlichem“ in ihrem Leben hatte. Jeden Morgen, als wir unsere täglichen Runden um die ortseigenen Fischteiche drehten, bedankte sich Frauli in Gedanken für all das Schöne, was es so in unserem Leben gab: „Danke, für meine Familie“ – sie hat wirklich eine ganz großartige Sippe in ihrer Heimat, die zu diesem Zeitpunkt ob Fraulis Entscheidung Freund, Haus und Schule hinter sich zu lassen, einfach ein wenig überfordert mit ihr war. „Danke für meine Freunde“ - ist es nicht schön, Menschen um sich zu haben, die einem helfen, zuhören und durchs Leben begleiten? „Danke für die herrliche Natur“ - Manchmal braucht man nicht mehr als einen schönen Spaziergang durch die Wälder, um glücklich zu sein. „Danke für meine Tiere“ - jaja - wir sind halt alle ganz besondere Wesen, welche zu euch geschickt wurden, um euch genau dann, wann es für euch wichtig ist, ein Stückchen durch eure Leben zu begleiten. „Danke für die warme, gemütliche Wohnung.“ Nachdem Frauli, welche ja in ihrer Heimat auf sehr großzügigem Platz als Untermieterin in einer kostenfreien Wohnung ihrer Eltern gewohnt hatte, nur knapp einer chronischen Lungenentzündung, die sie sicherlich aufgefasst hätte, wenn sie in bereits bekannte Bude gezogen wäre, entkommen war, schätzte sie die angenehme Wärme unserer neuen Bleibe sehr. Und so weiter und so fort. Ich habe ihr dabei oft erstaunt zugehört, und frage mich noch heute, warum man bitteschön für Vögel, welche in willkürlichen Mustern durch den Himmel flattern, oft grässlich kreischen und für einen Hund unmöglich zu fangen sind, dankbar sein soll? Alles muss der Dackel, so werde ich – was meiner weiblichen Eitelkeit nicht besonders schmeichelt - von ihr oft genannt, nicht verstehen und so trottete ich tagein tagaus mit ihr unsere Runden um den Teich, welche immer länger wurden, da Frauli täglich neue Dinge entdeckte, für die man auf die eine oder andere Weise dankbar sein kann. Und es scheint geholfen zu haben: Badete Frauli zu Beginn unserer Reise noch in herzzerreißendem Selbstmitleid und sah sich als armes Opfer dieses miesen, verräterischen Schicksals, so ging sie schon bald wieder zufriedener und glücklicher durch ihr Leben und sah schon ein kleines Lichtlein, einen sanften Schein, am Ende des langen, dunklen Tunnels. 

Ich möchte dich, wer auch immer du bist, der gerade die Worte eines Hundes liest und noch nicht an seiner Intelligenz, da er dieses tut, zweifelt, einladen, dass du dich, wann immer du unzufrieden bist und mehr möchtest, dir es aber (noch) nicht leisten kannst, hinzusetzen und einfach einmal aufzuschreiben, wofür du dankbar bist. Was hast du schon alles Schönes in deinem Leben? Was kannst du großartiges machen, das einmal kein Geld kostet? Wofür bist du von Herzen dankbar? Wie gesagt - es ist dies die Einladung eines Hundes, es steht dir frei, ob du ihr folgen möchtest.

 

 

Und wie erging es den Pferden in dieser Zeit? Dieses Sammelsurium undefinierbarer Rassen ohne Stammbaum residierte noch ein wenig länger in gut bekanntem Gesundheitsgut, dann mussten auch sie ihren Platz den hofeigenen Ponys überlassen. Frauli bekam von jener Bekannten, bei der wir unser bereits erwähntes, erstes gemeinsames Silvesterfest (mit Ende um 23 Uhr) verbrachten, das Angebot, den Streichelzoo bei ihr zwischen zu parken. Eine nette Geste, die allerdings zwei Haken hatte: Wir fuhren in den nächsten Wochen täglich 80 Minuten mit dem Auto zur Versorgung dieser Lieblingsviecher von Frauli, da sie es sich nicht nehmen lies, zweimal am Tag nach deren Wohlergehen zu schauen, sie selbst zu füttern und zu misten. Mir persönlich hätte einmal auch gereicht, aber auf mich hört Mensch ja leider nicht und so war es mir egal - es war ja schließlich ihr Essensbudget, das sie da großzügig in Benzin investierte. 

Der zweite, und bedeutend größere Haken war der, dass Frauli jeden Tag auch zweimal an ihrem ehemaligen Hof vorbeifahren musste und – materiell denkend, was sie ja noch immer tat -  ihrem perfekt aufgebauten, einwandfrei drenagierten und mit weißem Zaun und Tor, das sie von ihrem Papa geschenkt bekommen hatte, umrandeten Reitplatz nachtrauerte. Sowie dem Ersparten, das sich ihr nun als Sandhaufen, durch den sich das eine oder andere Pflänzchen mühevoll einen Weg ans Tageslicht erkämpfte, präsentierte. Kam jedoch der leiseste Zorn gegenüber ihrem ehemaligen Gefährten auf, wurde sofort gesegnet und dieser weiter in den Heiligenstand erhoben. Diese Trauer bezüglich des schmerzlich vermissten Sandkastens wich eines Tages allerdings einem neuen, und nicht minder dem Wohlbefinden schadenden Gefühl: Eifersucht. Parkte doch allen Ernstes bereits im Jänner ein  neues und Frauli unbekanntes Auto vor „ihrem“ Haus - und zwar sowohl morgens, als auch abends. Ihr detektivischer Spürsinn hatte es sofort erkannt: Ihr Gefährte hatte die gesetzlich vorgeschriebene Trauerzeit von mindestens einem halben Jahr (für ein so „zauberhaftes“ Wesen wie sie, wäre ihrer Meinung nach auch ein Jahr angebracht gewesen ;-)) nicht eingehalten und allen Ernstes eine neue Begleiterin gefunden. Entsetzen machte sich in ihr breit - das konnte doch bitte nicht wahr sein! Eine neue Schetti - ich weiß, dass man so nicht über jemanden sprechen soll, doch in diesen ersten Schocksekunden, die dann zu Tagen und Wochen wurden - Dauerschock sozusagen - war dies noch der netteste Name, der Frauli für diese junge Unbekannte einfiel. Und sie musste wissen, wer sie ist: Also fuhr sie vor das Haus und schaute - wie blöd bitte muss Frau sein, dass sie einfach zu ihrem ehemaligen Gefährten und dessen neuer Geliebten fährt und doof aus dem Auto glotzt? Das war ihr jedoch herzlich egal und gerade, als sie aussteigen wollte, um was weiß ich was zu sagen - ich denke, soweit hat sie noch nicht gedacht, wie sie denn ihren überraschenden Besuch erklären wollte - öffnete sich die Haustüre und da stand sie: Blond. Blond? „Seit wann bitte steht der auf blonde Frauen?“ schnaubte das dunkelhaarige Frauli innerlich und versuchte Giftpfeile mit ihren Augen zu schicken. Allerdings war es dunkel draußen und diese wurden nicht bemerkt. „Ist der Hausherr da?“ - war dann das einzige, was sie diese hellhaarige Fremde fragen konnte, um dann nach deren Verneinung panikartig die Flucht zu ergreifen. „Scheiße“ - wie gesagt, unser damaliges Lieblingswort – wurde mehrmals wütend auf dem Nachhauseweg vor sich her geschimpft, und ein Plan, den Gefährten wieder zurück zu erobern, geschmiedet. Das ist das Heimtückische an dieser Eifersucht - du machst Dinge, die du eigentlich gar nicht möchtest, um etwas zu erreichen, das du noch weniger willst. Allerdings bildest du dir in diesem Moment ein, dass du es unbedingt zurückzuhaben begehrst. Ich kann euch allerdings beruhigen: Im Pläneschmieden war Frauli nie besonders talentiert, im Erobern von Männern noch viel weniger und zwei Menschen, die sich gerne haben, auseinander zu bringen, ist dann doch nicht ihre Art. So beschränkte sie sich auf zwei, drei Versuche ihren Gefährten anzurufen, der – erstaunt? - allerdings nicht abhob und fuhr jeden Tag tapfer an dem heimeligen Liebesnest der Beiden vorbei, stellte sich vor, wie Schetti das Geschirr im Geschirrspüler ihres Papas (ein Geschenk) wusch und was auch immer auf das Nachtkästchen legte, das sie damals für ihr neues Schlafzimmer gekauft hatte - und versuchte dabei nicht zu kotzen. Und da man ja nicht segnen (ihn) und beschimpfen (sie) gleichzeitig kann, wurde besagte Blondine in Fraulis Liste der zu Segnenden aufgenommen und langsam, ganz allmählich, zog die Eifersucht, die es sich in ihr gemütlich gemacht hatte, geschlagen wieder aus. Langsam.

 

 

Falls du dich jetzt fragst, ob Frauli eine verkappte Geistliche oder so was ist, dann kann ich dich beruhigen: Sie ist relativ normal, keine Freundin von Kirchenbesuchen und auch kein Mitglied in irgendeiner dubiosen Sekte: Wenn man jemand segnet, so hatte sie es einmal gelesen, dann wünscht man ihm einfach von Herzen das beste: Glück, Gesundheit, Reichtum, Freude, Liebe - alles Schöne dieser Welt. Und man darf sich auch damit selbst segnen – jeden Tag - vielleicht möchtest du es ja einmal ausprobieren und schauen, was sich alles in deinem Leben verändert?