KAYA - EINE WUNDERSAME REISE

Der Weg von der rumänischen Strassenhündin zur Therapiehündin

ODER: WIE DER GLAUBE AN UNS SELBST BERGE VERSETZEN KANN.

Kayas wundersame Reise - so fing alles an: TEIL 1 | TEIL 2

Habt ihr schon einmal das Glück gehabt, einfach „nur“ sein zu dürfen? Das Privileg an einem sicheren und schönen Ort einfach einmal zur Ruhe zu kommen und das Leben neu zu ordnen? Zu überlegen, wie man dorthin gekommen ist, wo man sich im Moment gerade befindet? Es mag schon sein, dass ein Ort für psychisch angeschlagene Menschen eher zum Reflektieren einlädt, als ein zweimonatiger Aufenthalt in der Karibik - jedoch glaube ich, dass es für euch Menschen zwischenzeitlich ganz ganz wichtig ist, in sich zu gehen, um wieder mehr zu erkennen, wer ihr denn eigentlich seid.

Für Frauli war das anfangs nicht besonders erfreulich: Kein Job in der Schule, da sie aufgrund der sich zu einem für das neue Unterrichtsjahr sehr ungünstig gelegenen Trennung nicht ins Gymnasium gehen konnte, sondern sich aktuell im Krankenstand mit Aussicht auf Bildungskarenz befand. Wollte sie überhaupt jemals wieder in die Schule gehen, um Latein zu unterrichten? Ich meine - die Kinder und Jugendlichen hatten sie (fast) immer sehr gerne gehabt und ihr ist der Umgang mit ihnen und das Unterrichten auch durchwegs leicht gefallen - jedoch: wollte Frauli bis zur Pension Lehrerin bleiben? Dieser Gedanke wurde allerdings erst einmal aufgrund mangelnder Aktualität beiseite geschoben, denn es gab im Moment wirklich Wichtigeres zu überlegen, nämlich: Wo soll ich wohnen? Wohin gehe ich mit meinen Pferden und überhaupt - bleibe ich hier in der Südoststeiermark? Welche Ausbildung beginne ich in meiner Bildungskarenz? Und wie bitte soll ich mir mein Leben finanzieren? 

 

 

Sie hatte einmal gelesen, es wäre sehr hilfreich, seine Gedanken und Wünsche in einem Notizbuch festzuhalten - ihr wisst schon - ominöse Bestellungen beim Universum, über die es mittlerweile Hunderte Bücher samt Anleitung zur perfekten Wunscheinkaufsliste gibt. Frauli hatte das früher schon öfters versucht, aber da sie nie so wirklich daran geglaubt hat, funktionierte das Wunschprogramm bei ihr auch nicht. In der Einöde ihrer momentanen Umgebung schien es ihr allerdings ein guter Zeitpunkt zu sein, mit dem Schreiben zu beginnen und so wurden für die diversen Belangen farbenfrohe Notizbücher gekauft. Diese wurden ihr in den folgenden Monaten zu treuen Begleitern, und mit ihrer Hilfe zeigte sich langsam wieder etwas Struktur und Klarheit in ihrem Leben. 
Die erste Erkenntnis, wenn man sich selbst in die Rue de la Gack manövriert hat, ist jene der Wichtigkeit des Loslassens. (Das hatten wir ja schon). Es hilft nichts, wenn ich an der Vergangenheit festhalte und mich ständig in der „armen Opfer Manier“ frage: „Warum ist mir das passiert?“ „Warum bin ich so ein armes Schweindi?“ - Das nutzt nämlich gar nichts. Frauli hat sich natürlich auch in den nächsten Wochen immer wieder als wirklich armes Opfer empfunden, allerdings war der erste Schritt, um aus dieser Rolle zu kommen, mit dem Beginn des Schreibens gesetzt. 

„Loslassen und segnen“ - ein weiterer Tipp der sie anfangs erstaunt die Augenbrauen hochziehen lies - wie bitte konnte sie als Nicht-Priester jemand segnen? Ein Versuch war es allerdings wert und so wurden alle Menschen, die sie gerne hatte und besonders jene, die ihr Unrecht angetan zu haben schienen, in den nächsten Wochen täglich gesegnet - ihr ehemaliger Gefährte wurde dadurch schon fast in den Stand eines Heiligen gehoben. Und tatsächlich - es trat Besserung ein - wann immer Frauli schlecht an einen Menschen oder eine Situation dachte, wurde im Geiste fleißig gesegnet, und so verschwand der bittere Geschmack des Zorns schon bald wieder aus ihrem Mund. Und den lieben Menschen in ihrem Freundeskreis und aus ihrer Familie segnende, sprich positive und dankbare Gedanken zu schicken, ja das steigerte Fraulis innere Dankbarkeit von Tag zu Tag. „Sitzt du auch mit Hund und Katze in einem Gästezimmer eines Gesundheitsgutes, so kannst du wenigstens froh sein, so viele nette und gute Menschen zu kennen.“ Und wenn sich ihr Gefährte wieder mal in ihre Gedanken schlich und sie sich wünschte, rein gedanklich natürlich, ihm den Hals umdrehen zu können, dann wurde im Akkord gesegnet - und sofort war alles leichter.

„Ich löse mich von der Vergangenheit und bin bereit für Neues“ - das zu sagen, hatte ihr eine liebe Bekannte empfohlen, um wieder Platz für Neues zu schaffen - sie sollte es laut aufsagen und dabei links herum im Kreis gehen. Warum nicht rechts, dass traute sich Frauli ob des gut gemeinten Rates nicht fragen, und so marschierte sie mit mir fleißig links herum um den sich beim Gut befindlichen Teich. Jeden Tag - mehrmals. Gewillt, alles Alte und Belastende loszulassen. Anfangs dachte sie, dass sie das mindestens ein Jahr machen müsste, allerdings ging es wieder schneller als vermutet. 
Nach solchen Meditationsläufen wurde dann, wie empfohlen, eines der frisch gekauften Notizbüchlein gezückt und das Leben neu geordnet - anfangs dachte Frauli, sie würde ein Tagebuch im Ausmaß einer gewaltigen Enzyklopädie schreiben, so viele Gedanken mussten nämlich notiert werden. 

 

 

Der erste Schritt war, sich eine Ausbildung zu suchen, um die vom Staat geförderte Bildungskarenz beanspruchen zu können. Sie entschied sich zur Ausbildung zur Lern-und Legasthenietrainerin mit Pferden, da diese ihrer Meinung nach ja ganz gut zu ihren Fähigkeiten passte. (Ich darf euch ein Geheimnis verraten - bis heute hat Frauli keine Minute noch als solche gearbeitet. Sie arbeitet aber auch nicht als Mentaltrainerin oder Lehrwart für integratives Reiten.) Der Kurs wurde gebucht, das letzte Geld vom Sparbuch, das ihr ihr Papa dankenswerterweise geschenkt hat (alles wird allerdings genau vom Erbe abgerechnet ;-) ) abgehoben und ein kleiner Haken unter den Punkt „Beruf/Ausbildung“ gesetzt. Wie man allerdings mit knapp 900 Euro mit den Tieren und einer zukünftigen Wohnung leben sollte, dass konnte sich Frauli noch nicht so wirklich vorstellen. Punkt 2 beinhaltete das Wohnen: Dafür hatte ihr ein Bekannter ein kleines Häuschen mit kleinem Stall um 400 Euro im Monat in Aussicht gestellt - unweit von besagtem Gut entfernt - also in einer Gegend, in der sich Frauli und ich bereits auskannten. Sie hat - was wieder einmal typisch ist - ohne viel nachzufragen und ohne sich das Häuschen (ihr Bruder sollte es später als eine Baracke, in der nicht mal Schafe hausen könnten, bezeichnen) anzusehen zugesagt und erfreut ein weiteres Häkchen unter den Punkt „Wohnen“ gesetzt. Der dritte Punkt „Pferde“ ergab sich durch den vorher genannten automatisch, und so blieb noch die Frage „Wie verdiene ich etwas Geld dazu?“ Mit dem Häuschen, ihrem Auto (damals noch ein Leasingmodell), den einzelnen Versicherungen und Kleinkram hatte Frauli nämlich an die 900 Euro Fixkosten. Und das war genau das Geld, das sie für ihre Zeit in der Bildungskarenz für die nächsten Monate bekommen würde. Man darf in einer solchen 400 Euro im Monat geringfügig dazuverdienen, und so vermerkte sie in ihrem Büchlein den Eintrag „Job suchen.“ 
Und naja - da das mit dem Beten beim ersten Mal so gut funktioniert hatte, beschloss Frauli auch diesmal um himmlische Hilfe zu bitten. Dass man sich dafür in eine Kirche setzen müsste, das schien ihr nicht notwendig zu sein, und setzte sie sich wieder einmal mit mir gemeinsam in den Wald, schaute in den Himmel (denn dort sind „sie“ ja, oder?) und betete um einen Job. Wie erstaunlich schnell auch diesmal wieder die Antwort kam, das erzähle ich euch in meiner nächsten Geschichte!

 

Carina Leichtfried1 Comment