KAYA - EINE WUNDERSAME REISE

Der Weg von der rumänischen Strassenhündin zur Therapiehündin

ODER: WIE DER GLAUBE AN UNS SELBST BERGE VERSETZEN KANN.

(Teil 1 von Kayas wundersamer Reise ist HIER zu finden)

Als sich dann langsam die dritte Woche zu Ende neigen begann, machte sich langsam jene altbekannte Verzweiflung wieder in Fraulis Herzen breit: Wie soll es dann nur weitergehen? Wohin mit all den Tieren? Meine Wenigkeit war damals noch nicht in ihrem Leben, allerdings hatte sie ihre beiden Pferde und Mamas vom Schlachthof gerettetes Pony mit im Gepäck - und zwei Katzen, die ebenfalls aus der Obersteiermark für das neue Abenteuer angereist waren. Alleine kommt man ja bald einmal wo unter - aber mit dem Ponyhof? Sie hatte das Glück in ihrem Leben gehabt, noch niemals Einstellgebühren für ihre Pferde zahlen haben zu müssen - bei ihren „Rassepferden“, einem 27 jährigen Mischling mit Spat, einem Dreiviertel-Lipizzaner mit Psychosen und besagtem geretteten Shettlandpony, das niemand außer sich selbst wirklich mag, wäre das auch ein wirtschaftlicher Humbug gewesen. Und sich von ihren Tieren zu trennen, das wäre für Frauli gewesen, als ob man ihr ein Bein oder einen Arm wegnehmen würde - zumal alle drei eine ganz besondere Geschichte zu erzählen haben, wie sie in ihr Leben kamen. 

Ihr Gefährte hatte sich in all den Wochen auch kein einziges Mal bei ihr gemeldet - eine wundersame Rettung ihrer Beziehung war also auch ausgeschlossen. Das tat meinem Frauli anfangs schon sehr weh, da sie ihn immer noch so gerne mochte und für ihren Seelengefährten hielt. Auf gewisse Dinge, und die Liebe gehört für euch Menschen da bestimmt dazu, kann man allerdings keinen Einfluss nehmen. Wie dem auch sei - der Entschluss auszuziehen wurde in eben jener dritten Woche gefasst. 
„Es gäbe ja dann doch die Möglichkeit, wieder nach Hause in die Obersteiermark zu gehen,“ beruhigte sich Frauli, doch dafür war sie dann doch zu stolz oder zu feige. Sie, nicht gerade als der einfachste Mensch in ihrer Heimat bekannt, kommt nach gerade mal zwei Jahren Fremde mit all den Tieren wieder nach Hause zu den Eltern zurück? Eine furchtbare Vorstellung - und überhaupt - der heimatliche Pferdestall war zur Freude ihres Papas schon längst einem modernen Lagerraum gewichen. Schlechter Plan. Ein Dilemma: 2 Ställe, 2 Weiden, 2 Reitplätze (sie ist wirklich so blöd, dass sie bereits zwei Reitplätze sprichwörtlich in den Sand gesetzt hat) - ade. Und so machte Frauli etwas, was sie in ihrem bisherigen Leben noch nie bewusst gemacht hatte: Sie setzte sich zum Teich und betete zu Gott. Klingt merkwürdig, oder? Sie hatte keine Ahnung, wie man ordentlich und richtig zu Gott betet, also hat sie einfach in den Himmel gesehen und um rasche Hilfe ihrer scheinbar ausweglosen Situation gebeten - dass sie so schnell eine Antwort bekam, das erstaunte selbst Frauli sehr - und sie wurde in den nächsten Monaten immer wieder davon überrascht!

 

 

Die himmlische Hilfe erschien am nächsten Tag in der Gestalt des medizinischen Leiters bekannter Klinik, der ihr anbot, mit den Tieren bis Ende des Jahres als Gast auf seinem Gesundheitsgut zu leben - also fast drei Monate lang! Das war wirklich ein wundervolles Geschenk für Frauli und so fuhr sie am Ende der Woche mit neuem Tatendrang „nach Hause.“
Was sich dort in den nächsten Tagen ereignete, soll nicht Thema dieser Geschichte sein - jeder von euch, der eine Trennung miterlebt hat, kann sich vermutlich ein Bild davon machen. Frauli hat jedenfalls all jene Dinge, die sie aus der Obersteiermark mitgebracht hatte, in Kisten zusammengepackt - das gemeinsam Gekaufte, die erhaltenen Geschenke und so manch anderes mussten zurückgelassen werden - merkwürdigerweise schmerzte sie der Geschirrspüler am meisten, da er ein Geschenk von ihrem Vati war - mehr als der Reitplatz samt Tor und Umzäunung - und ihr Gefährte ;-) 
„Es sind nur materielle Dinge“ wurde in den kommenden Wochen ein Mantra für sie - zwischenzeitlich verfluchte sie es, denn diese materiellen Güter haben ja auch durchwegs ihren Reiz. „Du musst loslassen, Carina“ war ein gutgemeinter Rat zahlreicher Freunde - aber wenn das so einfach wäre! Für Frauli waren früher solch irdische Luxusgüter durchaus reizvoll und auch wichtig, und es sollten noch einige Monate vergehen, bis sie erkannte, dass man das wahre Glück wirklich nur in seinem Inneren finden kann - wieder so ein schlauer Spruch, der ihr damals irrsinnig auf die Nerven ging.
Wie dem auch sei - an einem Tag war der Besitz von Frauli in Kisten verpackt und mit Hilfe von Freunden in einem alten Haus gelagert. Sie selbst verbrachte die erste von zahlreichen folgenden Nächten bei einer lieben Freundin auf der Couch, und startete zeitig am nächsten Morgen, um  ihre Pferde in den neuen Stall zu bringen - ein umfunktioniertes Carport, das mit Wollstoffen zugehängt werden musste und so gar nicht den luxuriösen Paddockboxen glich, die ihr Gefährte für die Tiere erbaut hatte. Frauli war allerdings sehr dankbar, dass sie überhaupt ein Plätzchen für die geliebten Vierbeiner gefunden hat. Als sie das letzte Pferd in ihrer alten Heimat holte, da traf sie auf ihren Gefährten - sie hat mir einmal erzählt, dass sie seinen Blick, als er erkannt hat, dass sie nun wirklich geht, niemals vergessen wird - ich denke, in diesem Augenblick ist in ihrer beider Herzen etwas zerbrochen. 

 

 

Ausgerüstet mit den wichtigsten Kleidungsstücken, ein paar persönlichen Gegenständen, den wichtigsten Dokumenten und zwei Katzen, von denen die eine eine absolut wilde Freigängerin ist, zog Frauli für die kommenden Wochen in ein Gästezimmer samt kleinem Bad - durchaus sehr schön - allerdings auch ein wenig eng. Und dann machte sie etwas, dass ihr wohl ein vielfaches unverständliches Kopfschütteln einbrachte: In ihrer nicht besonders rosigen und finanziell eher horrenden Situation, holte sie mich, einer inneren Stimme folgend, aus dem Tierheim! „Herzliche Gratulation für so viel Intelligenz“ - war eine der darauf folgenden Reaktionen im Familien- und Freundeskreis, der - wie ich ehrlich gesagt auch zugeben muss - so gar nicht verstehen konnten, wie man sich auch noch einen Hund zu bereits bekanntem Streichelzoo dazunehmen konnte. Mein Frauli wusste darauf oft selbst keine Antwort - zumal ich wirklich sehr, sehr speziell bin - ich wage allerdings zu behaupten, dass ich ihr indirekt immer wieder den Weg der notwendigen Veränderungen aufgezeigt habe, ihr Ordnung und Struktur in das damals eher chaotische Leben brachte und sie auch mit meinem großen Hundeherz, das ich trotz meines ungestümen Wesens auf alle Fälle habe, zwischenzeitlich trösten konnte. Nur manchmal, wie z.b damals, als ich eine andere Hündin so fest gezwickt habe, dass der Tierarzt eine kleine Wunde nähen musste, fluchte sie vor sich hin, dass sie sich mit den 100 Euro, die ich gekostet habe, doch besser ein paar Schuhe gekauft hätte!

Wie dem auch sei - ich wurde aus dem Heim geholt und von da an begann unsere gemeinsame Reise, von der ich euch in den nächsten Seiten noch vieles zu erzählen habe.